Markus Plohn

You know what I mean?

Im Februar ist es Zeit der Kälte bei uns zu entfliehen und wärmere Orte aufzusuchen. Nachdem letztes Jahr Portugal am Programm stand, ging es diesmal zum Andalucia Orienteering Meeting (AOM) nach Andalusien, Spanien, mit einem kleinen Abstecher nach Marokko. Mit dabei waren diesmal Michael „Much“ Stockmayer, Valentin Pidner und Markus König. Hier ein kurzes Reisetagebuch:

Freitag, 15. Februar
Mit FlyNiki und AirBerlin geht es von Wien mit kurzem Aufenthalt auf Mallorca nach Jerez de la Frontera. Nach etwas Wartezeit am Mietwagenschalter fahren wir mit dem Leihwagen nach Algeciras, wo wir mit einem gemütlichen Stadtspaziergang den Abend ausklingen lassen.

Hafen von Algeciras mit Gibraltar im Hintergrund

Hafen von Algeciras mit Gibraltar im Hintergrund

Samstag, 16. Februar
Am Hafen von Algeciras treffen wir auf unsere aus verschiedensten Landsleuten (Spanier, Deutsche, Belgier, Kanadier, …) zusammengesetzte ca. 35-köpfige Reisegruppe mit spanischer Reiseleitung, mit der wir gemeinsam die Fähre nach Ceuta, einer spanischen Exklave am afrikanischen Kontinent, besteigen.

Blick auf Gibraltar

Blick auf Gibraltar

Fährenüberfahrt

Fährenüberfahrt

Blick zurück auf Europa

Blick zurück auf Europa

 

Nach eineinhalbstündiger Fährenüberfahrt betreten wir schließlich afrikanischen Boden und besteigen unseren Reisebus, der uns von hier an drei Tage lang durch Marokko fährt. Bevor wir jedoch über die Grenze fahren, machen wir noch eine kleine Sightseeing Tour durch Ceuta.

Blick auf Ceuta

Blick auf Ceuta

Dann ist es endlich soweit – Marokko! Die Überquerung der gut bewachten Grenze dauert etwas, schließlich müssen über 30 Reisepässe abgestempelt und deren Besitzer in’s System eingetragen werden, läuft aber ohne Komplikationen ab. Marokko ist anders – anders, als ich es mir vorgestellt habe. Statt Sand und Wüste gibt es Berge, es ist kaum wärmer als in Spanien, überall liegt Müll herum. Kühe, Ziegen und Esel stehen nicht auf eingezäunten Weiden, sondern sind einzeln angebunden und von Hirten bewacht.

Nach kurzer Fahrt erreichen wir zur Mittagszeit das erste Trainingsgebiet in der Nähe von Tanger-Med. Am Programm steht ein Massenstart-OL bestehend aus drei Schleifen, die Zeitnehmung erfolgt mit Handstoppung und als Posten werden klassische Hängeposten mit Zangen verwendet. Da ich der einzige schnellere bin, der mit der östlichen Schleife beginnt, laufe ich die ersten beiden Schleifen alleine. Dadurch hab ich auch keinen Stress beim Zwicken. Erst auf der dritten Schleife, als ich mich hinter Much einreihe, merke ich, wieviel Zeit das herkömnmliche Zwicken in Anspruch nimmt, noch dazu mit hängenden Zangen.

Laufgebiet erstes Training: Playa de Dalia

Laufgebiet erstes Training: Playa de Dalia

Das Ziel erreiche ich schließlich hinter Much, da ich aber sorgfältiger gezwickt habe, kann ich den ersten Trainingswettkampf für mich entscheiden.

Karten: Teil 1, Teil 2 | Ergebnisse

Anschließend steigen wir wieder in den Bus und fahren weiter nach Asilah, dem Endziel des ersten Tages. Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, werden wir von unserem marokkanischen Guide durch die Altstadt (Medina) geführt, zum Abendessen gibt es marokkanische Spezialitäten (Artischocke, Thunfischsalat und Fischteller mit Tintenfisch, Garnelen, usw.).

Blick auf Asilah

Blick auf Asilah

Hafen von Asilah

Hafen von Asilah

Das Hotel war zum Glück besser als dessen Wegweiser

Das Hotel war zum Glück besser als dessen Wegweiser

Enge Gassen in der Altstadt

Enge Gassen in der Altstadt

Stimmungsvolle Beleuchtung

Stimmungsvolle Beleuchtung

Altstadt an der Küste

Altstadt an der Küste

Spaziergang durch die Altstadt

Spaziergang durch die Altstadt

Nachtleben in der Altstadt

Nachtleben in der Altstadt

Sonntag, 17. Februar
Der nächste Tag beginnt sehr zeitig mit dem nächsten Training: wieder Massenstart, diesmal jedoch nur zwei Teile: zuerst ein Postennetz mit sechs Posten und anschließend ein Sprint in der Altstadt.

Da ich mit HeadCam laufe und ich kein Geistervideo drehen möchte, hänge ich mich an Much dran. Schlauer wäre es natürlich die Posten selbst aufzuteilen und alleine zu laufen um in Ruhe zwicken zu können – allerdings bieten sich sowieso nur zwei sinnvolle Lösungen an.

Hinweis zu Posten 1: da die Person, die das Tor des Parks, in dem sich der Posten befindet, aufschließen sollte, nicht gekommen ist, wurden wir angewiesen nördlich des Postens die Mauer zu überklettern.

Zum Kartenwechsel kommen wir gemeinsam, jetzt steht der Sprint in den verwinkelten Gässchen an. Ich übernehme die Führung und komme mit dem Labyrinth ganz gut zurecht – Much klebt an meinen Fersen. Durch eine Unsicherheit von mir bei Posten acht setzt sich Much an die Spitze und als ich mich für keine Route zu Posten neun entscheiden kann (viel zu entscheiden gibt es eh nicht, aber ich steh unnötig lange beim Posten herum), setzt sich Much sogar etwas ab. Zwar kann ich ihn bis Posten 11 wieder einholen, dort fällt allerdings die endgültige Entscheidung – nämlich als ich die Postenzange nicht finde.

Much läuft also wie am Vortag vor mir über die Ziellinie, da er diesmal beim Zwicken auch brav aufgepasst hat, gewinnt er diesen Trainingslauf.

Karten: Teil 1, Teil 2 | 3D RerunHeadCam Video | Ergebnisse

Die nächste Busfahrt steht an. Nun geht es von der Küste ins Landesinnere auf 600 Meter über dem Meer nach Chefchaouen, der blauen Stadt.

Chefchaouen war über Jahrhunderte eine heilige Stadt, die Ausländern unter Androhung der Todesstrafe versperrt war; dies hat dazu beigetragen, dass in ihr mittelalterliche Architektur erhalten blieb. (Quelle: Wikipedia)

Die Altstadt hat es noch mehr in sich als Asilah. Die Gässchen sind noch verwinkelter, dazu kommen einige Höhenmeter. Gelaufen wird aber erst am nächsten Tag, heute wird wieder mit Hilfe unseres Guides durch die Stadt gebummelt.

Hauptplatz von Chefchaouen

Hauptplatz von Chefchaouen

Unser Hotel in der Altstadt

Unser Hotel in der Altstadt

Chefchaouen - Die blaue Stadt

Chefchaouen – Die blaue Stadt

Verwinkelte Gässchen

Verwinkelte Gässchen

Schmale Durchgänge

Schmale Durchgänge

Chefchaouen am Fuße des Berges

Chefchaouen am Fuße des Berges

Chefchaouen von oben

Chefchaouen von oben

Montag, 18. Februar
Ob die Stadt mit ihren vielen Gässchen beim letzten Trainingslauf hält was sie beim Stadtbummel am Vorabend versprach? Heute geht es auf jeden Fall um mehr: der Sieger darf sich zum „(OL-)König von Marokko“ küren.

Der Start (diesmal mit 1-Minuten-Intervall) befindet sich oberhalb der Stadt, der erste Teil führt zuerst durch den Wald und endet nach einem Stiegen-Downhill am Hauptplatz. Der zweite Teil holt schließlich alles aus der Altstadt heraus – beinahe schon zuviel.

Durch den ersten Teil komme ich gut durch und kann einige Läufer überholen. In der Stadt unterlaufen mir jedoch ein paar Routenwahlfehler (am schwerwiegendsten zu den Posten neun und zwölf). Einiges an Zeit lasse ich auch noch bei Posten 10 liegen, denn der Posten fehlt und ich sehe die Papierschnipsel nicht sofort. Im Endeffekt bleibt der dritte Rang mit 5:06 Rückstand.

Karten: Teil 1, Teil 2 | Ergebnisse

Mit dem Bus geht es weiter nach Tetouan. Da der Lauf am Vormittag wohl länger als geplant gedauert hat und wir die Fähre nicht verpassen wollen (am Grenzübergang muss man auch etwas Zeit einplanen), bleibt nur kurz Zeit für ein Mittagessen in der Altstadt – sonst sehen wir nicht viel von der Stadt.

Am späten Nachmittag verlassen wir Marokko und nehmen die Fähre von Ceuta zurück nach Algeciras. Dort steigen wir in unseren Mietwagen um und düsen nach Los Canos de Meca, wo wir unser Apartment beziehen.

Dienstag, 19. Februar
Nach drei Trainingswettkämpfen in Marokko liegen nun drei reine Trainingstage vor uns. Den ersten davon nutzen wir gleich für eine längere Einheit im schnellen spanischen Wald. Das Training läuft soweit ganz gut. Bei Posten zwei kommt man wegen frischer Waldarbeiten schlecht voran, ich beschließe daher abzudrehen. Bei Posten vier laufe ich zuerst zu einer alten Markierung (generell sind die Postenmarkierungen schlecht sichtbar – einfache rote Bänder) und zu sieben verliere ich kurz vorm Posten die Richtung. Am Weg zu Posten 17 bleibe ich im Dickicht stecken und muss umdrehen, zu 18 hätte ich mir das Dickicht wohl auch besser gespart und den Weg nehmen sollen und bei 19 laufe ich etwas zu hoch im Graben am Posten vorbei.

Karte

Am Nachmittag zieht es uns nach Cádiz, der ehemaligen Hauptstadt Spaniens, für ein bisschen Sightseeing und gemütlichen Kaffeeplausch.

Rathaus von Cádiz

Rathaus von Cádiz

Riesen-Gummibaum in Cádiz

Riesen-Gummibaum in Cádiz

Ebbe im Hafen von Cádiz

Ebbe im Hafen von Cádiz

Spaziergang in Cádiz

Spaziergang in Cádiz

Künstlerische Sandskulpturen

Künstlerische Sandskulpturen

Die Küste von Cádiz von der sonnigen Seite

Die Küste von Cádiz von der sonnigen Seite

Mittwoch, 20. Februar
Bisher hatten wir mit dem Wetter nicht das große Los gezogen, aber heute strahlt die Sonne vom rundum blauen Himmel herab. Das muss ausgenutzt werden – wir machen zwei Trainings.

Training direkt am Meer

Training direkt am Meer

Laufgebiet des 2. Trainings - extrem schneller Wald

Laufgebiet des 2. Trainings – extrem schneller Wald

Beim ersten Training absolvieren wir eine Bahn namens „Steep training“ – das sagt wohl schon einiges aus. Die ersten sechs Posten laufen gut, doch zum siebener drehe ich mich nach dem breiten Weg nach links ein und lande im falschen Graben. Zwar sehe ich keine Schleife, aber ich denke trotzdem, dass ich richtig bin, also mach ich mich auf den Weg zum achter.

Natürlich passt dann nichts zusammen, der Weg ist zu steil, zwei große Gräben – ich interpretiere alles irgendwie falsch und „zwicke“ auch Posten acht nicht an der richtigen Stelle. Als ich meiner Meinung nach schon auf dem Weg zum neuner bin, hole ich Valentin ein und er zeigt mir plötzlich Posten acht hinter mir – in dem Moment wird mir klar, dass irgendwas schief gelaufen ist.

Zumindest läuft es von hier an besser. Nur bei Posten 23 laufe ich zu tief vorbei und möchte nicht mehr hinaufsteigen und bei 24 erwische ich zuerst die falsche Senke.

Karte

Am Nachmittag steht ein ganz besonderes Training am Programm: ein Kartenkreisel. Das heißt keine Nordlinien oder andere Merkmale an denen man Norden erkennt (sogar die kleinen Senken sind falsch ausgerichtet), noch dazu fehlen alle Wege – eine richtige Herausforderung.

Der Kompass bleibt also daheim – orientiert wird nur anhand der Konturen. Das Training macht richtig Spaß (besonders die Posten im feinen Teil) und es läuft für mich ausgezeichnet, hier noch über Fehler zu meckern ist schon Jammern auf höchstem Niveau. Für die 5,4km lange Strecke benötige ich nicht ganz 35 Minuten – dann heißt es sonnenbaden im Sand bis die anderen kommen.

Karte

Zwischen den Trainings wird natürlich nicht auf der faulen Haut gelegen, stattdessen unternehmen wir einen Spaziergang zu einem Leuchtturm, der ganz in der Nähe unserer Unterkunft steht.

Am Weg zum Strand

Am Weg zum Strand

Spaziergang zum Leuchtturm

Spaziergang zum Leuchtturm

Riesige überwachsene Sanddüne (Hügel bei Training 1)

Riesige überwachsene Sanddüne (Hügel bei Training 1)

Los Canos de Meca

Los Canos de Meca

Die Stimmung ist ausgezeichnet

Die Stimmung ist ausgezeichnet

Toller Ausblick

Toller Ausblick

Zeitvertreib...

Zeitvertreib…

Donnerstag, 21. Februar
Schon der letzte Trainingstag, morgen beginnen die Wettkämpfe. Am Vormittag steht ein Staffeltraining am Programm. Aufgrund eines Missverständnisses wird daraus jedoch eine lange Warterei (bei gegabelten Posten zusammenwarten ist halt doch recht schwierig), außerdem sind die roten Schleifen besonders schlecht zu erkennen, wodurch im Postenraum des öfteren unnötig lange gesucht wird (teilweise um die Schleife dann erst nicht zu finden). Die Qualität dieses Trainings ist eher bescheiden.

Karte

Am Nachmittag sieht es gleich ganz anders aus. Wir laufen nämlich das Model Event des AOM, dadurch sind alle Postenstandorte mit richtigen Posten markiert. Nach vier Trainings Schleifensuchen ist es eine richtige Wohltat im Postenraum nicht ewig Zeit vertrödeln zu müssen. Bis auf bei den Posten 35 (kleiner Parallelfehler) und 44 (Richtungsfehler) läuft es wieder sehr gut.

Karte

Am Abend besuchen wir noch die weiße Stadt – Vejer de la Frontera.

Vejer de la Frontera

Vejer de la Frontera

Freitag, 22. Februar
Heute beginnt das Andalucia Orienteering Meeting mit dem Prolog. Da der Lauf erst am Nachmittag stattfindet, statten wir am Vormittag Conil de la Frontera einen Besuch ab, inklusive kurzem Strandlauf.

Am Nachmittag ist es soweit: der erste Vergleich mit Gueorgiou und Konsorten steht an. Der Prolog läuft so ab: zuerst laufen alle die gleiche Bahn als Qualifikation, gestartet wird im 1-Minuten-Intervall, die besten 16 qualifizieren sich für das Viertelfinale.

Anschließend werden vier Viertelfinalläufe mit jeweils vier Läufern und Massenstart ausgetragen, die zwei besten kommen in die nächste Runde. Im Halbfinale das gleiche Spiel, natürlich nur mit zwei Läufen. Am Ende stehen vier Läufer im Finale, der Sieger des Finallaufs ist schlussendlich Sieger des gesamten Prologs. Schafft man es bis ins Finale, darf bzw. muss man insgesamt vier Sprints absolvieren.

Soweit kommt es bei mir aber nicht, denn schon nach der Qualifikation ist Schluss. Mit einer Laufzeit von 17:21 und somit 20 Sekunden hinter dem Cut verpasse ich mit Rang 22 den Aufstieg ins Viertelfinale. Zwar ärgert es mich ein wenig, schließlich unterliefen mir zwei 20-Sekunden-Fehler (Posten vier und 13), aber da die Finalläufe erst spät beginnen und mittlerweile starker Regen eingesetzt hat, bin ich irgendwie froh schon ins trockene Quartier fahren zu dürfen.

Karte | Ergebnisse: Qualifikation, Viertelfinale, Halbfinale, Finale

Samstag, 23. Februar
AOM. Erste Etappe. Langdistanz. Nachdem mein Fokus auf dem morgigen World Ranking Event liegt, möchte ich den heutigen Lauf als zügigen Trainingswettkampf bestreiten ohne mir die Beine auszureißen.

Die erste Herausforderung besteht darin, vom Kartenstart zum Startpunkt zu finden. Denn der Weg ist schlecht markiert und ziemlich lang. Kommt wohl eher selten vor, dass Leute am Weg zum Startpunkt schon nach dem Weg fragen müssen.

Beim ersten Posten muss ich schon die erste Suchaktion starten, da die Richtung nicht passt. Zum zweier schon wieder zu weit links – was ist denn da los? Zum dritten nehme ich nicht nur die falsche Route, sondern führe diese auch noch schlecht aus. Die direktere unterhalb der Felswände durch das Grün wäre einiges schneller gewesen (diese Route wurde auch von den meisten gewählt).

Eigentlich ist mein Lauf jetzt schon vorbei. Drei Posten – drei Fehler. Aber es kommt noch schlimmer.

Nach einem kleineren Fehler zu Posten vier (juhu) stapfe ich beim fünfer im Dickicht im Kreis herum. Aaaaahhhhh! Na gut, es ist ja nur ein Training, ein paar Posten probier ich noch.

Posten sechs passt, auch der siebener. Schön langsam fängt die Maschinerie zu arbeiten an. Acht kein Problem, die vier Posten im Feinen ebenfalls nicht. Na vielleicht wird’s ja doch noch was?

Denkste! Posten 14 wird gesucht. Und gesucht. Und gesucht. Nachdem ich ihn nach ein paar Minuten noch immer nicht gefunen habe, mach ich eine Pinkelpause. Was sein muss, muss sein. Danach stolpere ich irgendwie über den Posten. Endlich!

Jetzt kommt Posten 15. Da hinauf? Die Felswand steht eisern vor mir. Ich drehe mich um – das Meer lächelt mich an. Ich drehe mich zurück. Felswand? Meer? Felswand? Meer! Genug ist genug! Ein kurzer Blick auf die Karte und die Route nach Hause ist schnell gefunden.

Während ich auf sandigen Wegen gemütlich heimtrotte, beschließe ich die letzten paar Posten, nämlich ab 24, doch noch mitzunehmen. Bis 27 klappt das auch wunderbar, aber so etwas wie zum 28er habe ich seit meiner Jugendzeit nicht mehr erlebt.

Zuerst laufe ich am Posten rechts vorbei. Gut, kann passieren und heute ganz normal. Aber irgendwie schaffe ich es nicht mich in diesem Niemandsland aufzufangen. Ich kreise umher. Lande in Senken. Kann den Weg auf der Karte im Gelände nicht ausmachen. Es zieht mich zurück zu Posten 27. Neustart! Ohne einen Schritt zu laufen marschiere ich los. Dickicht – passt! Graben – passt! Plötzlich ist auch der Weg da und die Waldschneisen lassen sich auch erkennen. Und da ist auch schon der Posten. Ein Mirakel!

Als Draufgabe laufe ich am 29er auch vorbei, hier kann ich mich aber am Wegende recht schnell auffangen.

Zieleinlauf am Meer

Zieleinlauf am Meer

Die letzten vier Posten sind reine Formsache und im Offenen macht das Orientieren und Laufen trotz Gegenwinds richtig Spaß – eine kleine Entschädigung für alles was vorher passiert ist. Im Zieleinlauf kündigt mich der Sprecher mit einer neuen Bestzeit an – wenn der wüsste. Nach dem Auslesen ist aber auch ihm klar, was los ist und er revidiert seine Aussage schnell wieder.

Dieser Lauf, wenn auch nur als Training gelaufen, gehört wohl zur Kategorie „Karte 1000 Mal kopieren, Lagerfeuer machen und nackt drum herum tanzen“.

Karte | Ergebnisse

Bevor es zum Quartier zurückgeht, legen wir einen Zwischenstopp bei den Dünen von Bolonia und in der südlichsten Stadt des europäischen Festlandes – Tarifa – ein.

Sand so weit das Auge reicht

Sand so weit das Auge reicht

Im Hintergrund das Wettkampfgebiet

Im Hintergrund das Wettkampfgebiet

Was sucht er denn?

Was sucht er denn?

Schwimmen im Baummeer

Schwimmen im Baummeer

Blick von Tarifa auf Afrika

Blick von Tarifa auf Afrika

Spaziergang durch Tarifa

Spaziergang durch Tarifa

Sonntag, 24. Februar
Der Höhepunkt der Spanienreise steht an: die zweite Etappe des AOM und zugleich World Ranking Event über die Mitteldistanz. Der Lauf findet in Barbate statt, wieder in unserer Gegend und damit wieder im schnellen Wald, das Ziel befindet sich wie gestern direkt am Meer.

Mein Ziel für heute: 1000 World Ranking Punkte.

Die ersten vier Posten laufen sehr gut, zum dreier vielleicht in bisschen zu hoch und zum vierer hätte es etwas gerader sein dürfen – aber nicht so schlimm. Zum fünfer der erste Fehler: nach dem Zaun laufe ich über den falschen kleinen Hügel und fange mich erst am Weg auf, geschätzte 30 Sekunden dahin.

Posten sechs läuft leider auch nicht besser. Zuerst die etwas langsamere Route über den Berg genommen und dann im Postenraum das Gelände falsch interpretiert. Macht 45 Sekunden mehr am Fehlerkonto. Sieben läuft besser, beim achter ein kleiner Haken vor dem Posten (20 Sekunden).

Posten neun bis 12 gelingen wieder einwandfrei, zum 13er ein Minihaken von 10 Sekunden. Zum 14er finde ich keinen richtigen Ablaufpunkt und zittere etwas hinein – weitere 30 Sekunden dahin. Zu Posten 15 verliere ich in etwa 15 Sekunden, da ich das Gelände nicht richtig interpretieren kann und zögere.

Das war es jetzt aber mit der Fehlersucherei. Bei den übrigen fünf Posten gibt es nichts mehr zu meckern. Der Zieleinlauf im Sand ist anstrengend, aber schön.

Letzter Posten im Sand

Letzter Posten im Sand

Zeit: 37:47. Fehler: geschätzte 2:30. 35:00 wäre also drin gewesen. Wäre…

Nach kurzer Wartezeit kommt der Tagessieger ins Ziel, natürlich Thierry Gueorgiou – mit 28:34. Das bedeutet für mich 953 World Ranking Punkte und nicht die erhofften 1000. Trotzdem bin ich zufrieden mit meinem Lauf. Es schlichen sich zwar einige Fehler ein, aber das Tempo war in Ordnung und der Lauf machte großen Spaß. Außerdem gab es auch einige sehr positive Passagen, allen voran der Anfang (bei Posten zwei lag ich an 13. Stelle).

Karte | Ergebnisse | Zwischenzeiten | World Ranking Ergebnis

Den Abend lassen wir mit einem Spaziergang im herrlichen Sonnenuntergang ausklingen.

Die Sonne taucht ins Meer ein

Die Sonne taucht ins Meer ein

Montag, 25. Februar
Natürlich wird auch der letzte Tag ausgenützt. Da unser Flieger von Jerez erst am Nachmittag abhebt, haben wir noch Zeit an der Einerstaffel (natürlich mit Massenstart), die noch im Rahmen des AOM veranstaltet wird, teilzunehmen. Die Beine sind schon ziemlich schwer, daher beschließe ich den Lauf wieder als Training anzugehen – ob es ein Déjà-vu von Samstag geben wird?

Der Sprecher gibt das Startsignal und die Meute hetzt wie wild gewordene Pferde in zwei Richtungen in den Wald. Ich halte mich erstmal im Hintergrund und verfolge die Massen.

Am Weg zum zweiten Posten führe ich eine kleine Gruppe von etwa zehn Läufern an. Nach und nach fallen diese aber bei den Gabeln weg und von Posten zehn bis zum Kartenwechsel habe ich schließlich nur noch einen Begleiter, Magnus Ombustvedt.

Im Gegensatz zu Samstag läuft es heute technisch ohne Probleme. Das Tempo ist zwar nicht am Limit, aber gemütliches Joggen kann man das auch nicht mehr nennen. Die zweite Runde beginnt.

Ein paar Posten sind ja schon bekannt, aber auch die anderen finde ich wieder ohne Probleme. Magnus sitzt mir noch immer im Nacken. Wir kommen langsam in Zielnähe und eigentlich wollte ich am Ende nicht schneller laufen. Da ich Magnus bis dahin aber mitgeschleppt und den Großteil der Führungsarbeit geleistet habe, möchte ich nichts herschenken und gebe bei den letzten beiden Posten etwas Gas. Schön, wenn man mit dem Tempo ein wenig spielen kann.

Auf jeden Fall ein orientierungstechnisch schöner Abschluss dieser Trainingswettkampf – das motiviert für die bald startende Saison.

Karte: Teil 1, Teil 2 | Ergebnis

Resumé
Wow, was für ein Erlebnis! Nach Portugal im Vorjahr wieder ein tolles Trainingslager mit vielen Aktivitäten! Nächstes Jahr wird es definitiv eine Fortsetzung geben, fragt sich nur: wohin?

Fotos: Michael Stockmayer

            

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