Markus Plohn

275 Posten, 110km

… in 9 Tagen – dazu kamen noch über 2500 Höhenmeter und unzählige Burgbesichtigungen. Das war Portugal 2012. Aber alles der Reihe nach:

Freitag, 17. Februar: Anreise
Gemeinsam mit Much, Jörg, Gerhard und Claudia begab ich mich zu einem 9 (wenn man den Anreisetag nicht mitrechnet) – tägigen Trainingslager nach Portugal um der Eiseskälte in Österreich zu entfliehen und die eingerostete OL-Technik zu reaktivieren. Mit Flug von Wien über Mallorca nach Porto und anschließender Fahrt mit dem Mietauto zum Hotel in Viseu war der erste Tag schnell vorbei.

Samstag, 18. Februar, Vormittag: Portugal „O“ Meeting – 1. Etappe
Das Portugal „O“ Meeting rund um Viseu startete mit einer Langdistanz. Aufgrund der vielen Meldungen in der Eliteklasse wurde diese geteilt: M21 Super Elite und M21 Elite, ich durfte in letzterer starten. Ich lief ein ganz solides Rennen mit nur kleinen Zeitverlusten zu den Posten 5 (Unsicherheit kurz vor dem Posten), 13 (schlechte Route) und 22 (zu hoch), ansonsten war ich mit meiner Leistung ganz zufrieden und belegte Rang 68 unter 113 Teilnehmern (60%).

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route

Samstag, 18. Februar, Abend: Portugal „O“ Meeting – Nacht Sprint
Am Abend ging es bereits mit dem nicht zur Gesamtwertung gezählten Nacht Sprint direkt in Viseu weiter. Diesen lief ich mit HeadCam, die 3D-Analyse vom Lauf inlusive Video gibt’s hier. Mir unterlief nur ein Fehler von ca. 20 Sekunden bei Posten vier, wo ich zwar schon in die Unterführung hineinlief, dann die Treppe und somit keinen Aufgang auf der Karte sah und deswegen östlich umlief. Ergab Rang 19 bei 72 Startern (26%).

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route, 3D-ReRun mit Video vom Lauf

Sonntag, 19. Februar: Portugal „O“ Meeting – 2. Etappe
Auf der gleichen Karte wie am Vortag wurde die zweite Etappe über die Mitteldistanz ausgetragen. Hier wollte ich ebenfalls mit HeadCam laufen, der Akku hielt jedoch nur 5 Sekunden. So schleppte ich die Kamera den ganzen Lauf unnötig mit. Noch dazu machte ich einige Fehler:

  • Posten 4 zu weit nördlich umlaufen und im Bodenbewuchs gesteckt
  • Von Posten 8 falsch weggelaufen und daher die nördliche statt der südlichen Autobahnunterführung genommen
  • Bei Posten 12 viel zu tief im Hang herausgekommen, da ich zuvor über das falsche Steinfeld kletterte
  • Dafür bei Posten 14 viel zu hoch herausgekommen und erste kurz vor dem großen Weg aufgefangen

Das reichte trotzdem noch für Rang 61 unter 125 Teilnehmern (48%).

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route

Montag, 20. Februar: Portugal „O“ Meeting – 3. Etappe
Für die dritte Etappe reisten wir in ein neues Gebiet mit vielen Felsen und Steinplatten. In den Elitekategorien zählte dieser Lauf als World Ranking Event, was natürlich einen kleinen Motivationsschub gab.

Zuschauerpassage (Foto: Jörg Schaumann)

Der Start gelang mir noch ganz gut, aber bereits zum zweiten Posten kam ich zu weit von der Richtung ab und verlor etwas Zeit, obwohl ich mich sofort auffing (+30″). So ähnlich erging es mir auch zu Posten 7, wieder zu weit links und beim falschen Stein herausgekommen (+30″). Ein paar Posten liefen dann wieder besser, doch zu Posten 15 bereits der nächste Zeitverlust: ich blieb zu lang am Hang anstatt brav Richtung zu laufen und kam daher bei Posten 16 heraus (+90″). Wenigstens kannte ich den dann bereits.

Mitten im Wald (Foto: Jorge Correia Dias)

Einiges an Zeit verlor ich dann noch bei Posten 20: Zuerst lief ich zu hoch und zu weit (+60″) und als ich den Posten endlich hatte, orientierte ich wieder zurück zu Posten 19 (+90″). Im Endeffekt also mehrere Minuten Zeit eingebüßt, was mir Rang 68 unter 121 Teilnehmern bescherte (56%) – das ausgerechnet beim World Ranking Event. Somit ergab das auch nur 768 WR-Punkte…

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route, WRE-Ergebnis

Dienstag, 21. Februar: Portugal „O“ Meeting – 4. Etappe
Die letzte Etappe über die Langdistanz wurde mit Jagd- und Massenstart ausgetragen. Bis zu einer Stunde Rückstand wurde im Jagdstartverfahren gestartet, alle mit mehr Rückstand starteten anschließend im Massenstart. Ich schaffte es mit 55’01“ Rückstand gerade noch in den Jagdstart und ging als 41. ins Rennen. Den Lauf nahm ich eher locker, da die Beine bereits müde waren und noch genügend Trainings und Wettkämpfe warteten.

Wie locker ich den Lauf nahm sieht man auf der Karte: bereits kurz vorm Startpunkt bog ich ab um stehenzubleiben und in Ruhe meine Postenbeschreibung in der Halterung zu geben – erst danach ging mein Training los.

Am Weg zu den Posten 9 und 10 steckte ich mehrmals im Dickicht fest, zu 16 kam ich etwas von der Richtung ab, bei 21 suchte ich bei den falschen Felsen, zu 25 ebenfalls ein Richtungsfehler und bei 26 interpretierte ich das Gelände etwas falsch – zwar ein paar Fehler, aber nichts Großartiges. Rang 53 von 101 (52%).

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route

In der Gesamtwertung konnte ich trotz Trainingslauf noch drei Plätze gutmachen und beendete das Portugal „O“ Meeting somit auf Rang 38 unter 136 Teilnehmern (27%).

Gesamtwertung Portugal „O“ Meeting

Mittwoch, 22. Februar: Training
Nach dem Portugal „O“ Meeting ging es weiter in den Süden nach Leiria, wo wir ein Apartment bezogen um ein paar Trainings zu absolvieren und als Abschlus unserer Reise am MOC um Marinha Grande teilzunehmen. Das Gelände konnte anders gar nicht sein: keine Felsen, keine Steinplatten, dafür sanfte Hügel und schnell belaufbarer Wald.

Karte Training 1, Karte Training 2

Donnerstag, 23. Februar: O-Relay Quiaios
Da uns die Wettkämpfe noch nicht genug waren, nahmen wir auch noch an einer Trainingsstaffel in Quiaios teil. Jörg ging auf die Startstrecke, Much lief den zweiten Teil und ich absolvierte die Schlussstrecke. Da wir von Anfang an etwas zurück lagen, lief ich ein ziemlich einsames Rennen ohne wirklichen Gegnerkontakt. Beim ersten Posten erwischte ich natürlich zuerst die andere Gabel und bei Posten sieben unterlief mir ein klassischer Parallelfehler, sonst ging es aber ganz gut.

Letzter Posten (Foto: Jörg Schaumann)

Staffelkarte

Freitag, 24. Februar: MOC Model Event
Beim Model Event konnten wir uns an das Gelände der MOC Wettkämpfe gewöhnen, schließlich lag das Gebiet direkt neben dem der Wettkämpfe. Ein schnell belaufbarer Wald, der ständigen Kartenkontakt und daher höchste Konzentration erfordert – wunderbar.

Karte Model Event

Samstag, 25. Februar, Mittag: MOC – 1. Etappe
Das zweite World Ranking Event innerhalb einer Woche – der Haken: 18,7 Kilometer und schwere Beine. Mein Ziel war natürlich durchzukommen, aber eine tolle Zeit brauchte ich nicht zu erwarten. Die ersten fünf Posten liefen alles andere als optimal:

  • Posten 1: falsche Senke
  • Posten 2: von Posten 1 falsch weggelaufen und den falschen Weg bergab genommen, den ich wieder hinauf musste
  • Posten 3: anfangs noch gut unterwegs, doch nach einem Drittel total von der Richtung abgekommen und schließlich auf der Forststraße gelandet
  • Posten 4: kurz vorm Posten unsicher geworden und Zeit vertrödelt
  • Posten 5: gegen Ende wieder Probleme mit der Richtung

Danach fing die Maschinerie an besser zu werken und ich konnte weitere Fehler vermeiden. Nur zu den Posten 18 und 31 nahm ich jeweils die Umlaufroute um an die Verpflegsstellen zu kommen.

Erschöpft ins Ziel (Foto: Jörg Schaumann)

Im Ziel die totale Erschöpfung, fast niemand mehr da (ich war als letzter gestartet), aber glücklich auch diese Qual überlebt zu haben. Laufzeit: 2h25min, das bedeutete Rang 39 unter 71 Teilnehmern (54%). Detail am Rande: jeder fünfte Eliteläufer hat sein Rennen nicht beendet.

Zwar ergatterte ich für dieses WRE noch weniger Punkte als noch beim Portugal „O“ Meeting, nämlich nur 558, aber Punkte sind Punkte.

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route, WRE-Ergebnis

Samstag, 25. Februar, Abend: MOC – Nacht Sprint
Viel Zeit zur Regeneration blieb nicht, denn es wartete schon der nächste Bewerb: Nacht Sprint in Marinha Grande. Also schnell eine warme Suppe und noch den Sonnenuntergang genießen und bereits vier Stunden nachdem ich die Ziellinie beim WRE überquert hatte, stand ich an der Startlinie zum Nacht Sprint. Lockere Beine? Von wegen! Aber sobald das Startsignal ertönt, wird der Schalter umgelegt und Schmerzen und Müdigkeit sind schneller vergessen als der letzte Kater.

Vorbereitung (Foto: Jörg Schaumann)

Während dem Lauf fielen mir eigentlich keine Fehler auf, doch je länger ich die Bahn nach dem Lauf studierte, desto mehr Zeitverluste fand ich. Im Endeffekt handelte es sich dreimal um ein paar Sekunden:

  • Posten 3: rechts herum ist wahrscheinlich schneller
  • Posten 13: ein Doppelfehler, wenn man es so nennen mag: erstens sah ich die kleine Treppe nicht, die westlich neben Posten 12 durch die Mauer ging. Zweitens: wenn schon umlaufen, dann eine Runde um das Gebäude drehen, das sich direkt östlich von Posten 12 befindet. Ich habe also nur die drittschnellste Route gewählt.
  • Posten 15: rechts herum ist wieder schneller (zwischen den Sperrgebieten, also so wie ich zu Posten 16 weiterlief)

Am Weg zum letzten Posten (Foto: Nuno Neves)

Dieser Lauf brachte mir Rang 11 unter 39 Teilnehmern ein (28%). Dabei ging jeder fünfte Eliteläufer nicht an den Start. In der Superelite starteten überhaupt nur 37% der genannten Teilnehmer – versteh ich nicht…

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route

Sonntag, 26. Februar: MOC – 2. Etappe
Ja, wenn man will, schafft man es: Langdistanz, Sprint und Mitteldistanz innerhalb 24 Stunden. Genau genommen waren es sogar nur 21 Stunden.

Im gleichen Gebiet wie am Vortag wurde das MOC mit einer Mitteldistanz beendet. Nachdem wir unseren Flieger zurück in die Heimat erwischen mussten, ließen wir uns in der Startliste nach vorne setzen. Am Vortag noch als letzter gestartet, war ich diesmal als erster an der Reihe. Meine beiden Ziele: als erster im Ziel, aber vor allem als erster beim Zuschauerposten sein.

Ich kam gleich gut ins Rennen, irgendwie funktionierte der Kompass heute einiges besser als am Vortag (oder mein Orientierungssinn – je nachdem). Bei Posten 20 eine kleine Unsicherheit kurz vorm Posten, dann kam schon der Zuschauerposten. War ich erster? Keine Ahnung! Dass mich ein anderer Eliteläufer überholt hätte, hätte ich nicht bemerkt. Ich erlebte den Zuschauerposten jedenfalls so:

Nur noch weniger Meter zum Zuschauerposten, ich kann ihn schon sehen.
„Here comes the first elite runner to the spectator’s control!“
Das muss ich sein.
„Markus Plohn from WRN, Austria!“
Ja, das bin ich. Lauf schneller, das sieht gut aus.
„Now we have the first intermediate time at the spectator’s control: 38:56“
Naja, hätte besser sein können. Weiter weiter. Gut, kurze Schlussschlaufe – jetzt nochmal Gas geben.
„Look at him. He’s pushing really hard!“
Ja, ich pushe really hard!

In Wirklichkeit lief es so ab: ich stolperte irgendwie zum Zuschauerposten, kein Schwein interessierte sich für mich, der Sprecher palaberte irgendwas auf Portugiesisch daher und ich lief muxmäuschenstill weiter zum nächsten Posten. Angesagt wurden nämlich nur Läufer der Superelite und keine der zweitklassigen „normalen“ Elite.

Laut Zwischenzeiten war ich trotzdem der erste Eliteläufer beim Zuschauerposten, zumindest eine Genugtuung in diesem Rennen. Das zweite Ziel, als erster Eliteläufer im Ziel zu sein, gelang mir nicht ganz, denn kurz nach dem Zuschauerposten wurde ich von Sebastian Inderst aus der Schweiz eingeholt und, als ich zum vorletzten Posten einen Richtungsfehler machte, auch noch abgehängt. Zufrieden mit dem Lauf war ich trotzdem, nur zwei kleine Fehler und Rang 26 unter 57 Startern (45%). Wenn ich es mir recht überlege, war dies wahrscheinlich sogar mein bester Lauf in Portugal – ein versöhnlicher Abschluss.

Ergebnisse, Zwischenzeiten, Karte mit Route

In der Gesamtwertung des MOC ergaben meine Plätze 39 und 26 den 19. Rang unter 63 Teilnehmern (30%).

Gesamtwertung MOC

Resümee
Neun Wettkämpfe in neun Tagen, dazu noch drei Trainings und fast tägliches Sightseeing – über mangelhafte Bewegung konnte ich mich nicht beschweren.

Durch die beiden WR-Ergebnisse, selbst wenn ich nur wenige Punkte herausholte, kletterte ich auf Rang 544 mit 2221 Punkten – meine persönliche Bestmarke (mittlerweile bin ich schon wieder auf Rang 550 gefallen). In der Wertung habe ich auch noch den Alpe Adria Cup in Kroatien vom Juni 2011. Wenn ich beim nächsten WRE in der Slowakei in einem Monat noch eine halbwegs solide Leistung hinlege, sollte ich diese Bestmarke noch überbieten können.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos aus Portugal (Fotos: Jörg Schaumann):

            

Ähnliche Beiträge

Über den Autor Alle Beiträge anzeigen Autor Website

Markus Plohn

Die einzige Seele auf diesem Blog.