Markus Plohn

Ein Wochenende in Dänemark

Mit einem Tag Verspätung hier nun der Bericht über das Dänemarkwochenende.

Letzten Samstag zeitig in der Früh reisten Michi, Pierre und ich nach Dänemark, genauer gesagt nach Hillerød. Dort erwartete uns am Samstag ein verlängerter Sprint und am Sonntag eine Ultralangdistanz über 25,2km mit 52 Posten.

Wien von oben

Samstag: Sprint
Bahn und Karte waren ausgezeichnet, schade, dass man für so etwas 1000 Kilometer in den Norden reisen muss. Da der Fokus natürlich auf die Ultralangdistanz gelegt war, lief ich den Sprint nicht voll um ein bisschen Energie zu sparen.

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Die ersten fünf Posten kamen schnell und wie gewollt. Posten sechs bot die erste Routenwahl, leider wählte ich die falsche, denn ab dem Nordwesteck des großen grünen Flecks wäre gerade aus weiter und erst die übernächste Gasse links abbiegen schneller gewesen.

Die Posten sieben bis zwölf waren wieder kürzere Teilstrecken, somit war höchste Konzentration gefragt. Kurz vor Posten 11 holte ich plötzlich den zwei Minuten vor mir gestarteten Michi ein. Da ich ihn vorher noch nicht gesagt gesehen hatte, musste er dort einen gröberen Fehler gemacht haben.

Ich entschied ein paar Alternativen auszuprobieren und so lief ich zu den Posten 12, 15 (hier lief ich an einem falschen Posten vorbei, drehte um, da ich dachte es wäre doch meiner und sah dann erst den richtigen) und 18 andere Routen als Michi.

Auf der Hälfte zu Posten 18 musste ich bei dem kleinen Hügel einem nicht eingezeichneten Acker ausweichen, trotzdem stempelte ich den Posten vor Michi und führte unsere Zweiergruppe nun an.

Zu 21 wäre rechts herum ein bisschen schneller gewesen und zu 23 links herum. Der Schlussteil bot nochmal schnelle, kurze Posten, ehe ich nach einer Laufzeit von 22:27 den Zielposten stempelte. Nur 2:34 hinter dem Sieger Rasmus Djurhuus, das überraschte mich etwas. Hätte ich die drei langen Routen besser erwischt und wäre ich nicht mit angezogener Handbremse gelaufen, wäre sich eine 21er-Zeit locker ausgegangen. Nicht schlecht.

Ergebnisse
Zwischenzeiten

Die kleine Meerjungfrau befand sich gerade auf Weltreise

Sonntag: Ultralangdistanz
Nach einer erholsamen Nacht in der Jugendherberge Fredensborg standen wir am Sonntag um Punkt 10:00 Uhr am Start zur Jættemilen: 25,2 Kilometer mit 52 Posten.

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Zu den ersten beiden Posten hieß es einfach nachlaufen, da konnte man nicht viel falsch machen. Leider verfolgte ich diese Strategie zum dritten Posten auch und kontrollierte nicht aufmerksam genug. Als wir dann vom Weg links einbogen, dachte ich wir wären bereits kurz vorm 3er, allerdings lief ich in der falschen Gruppe, die auf dem Weg zu meinem 8er war. Als die anderen stempelten, die Nummer aber bei mir nicht passte, war ich erstmal etwas verwirrt. Also suchte ich auf der Postenbeschreibung, bei welchem Posten ich mich befand und wurde natürlich gleich fündig.

Da der Lauf noch lang genug war, blieb ich ruhig und nordete die Karte zum ersten Mal ein. Ab jetzt hieß es selber orientieren. Endlich bei Posten drei angekommen, lief ich auf zwei Läufer auf: Søren Skaarup Larsen und Björn Hellrup.

Bis zu Posten sechs hängte ich mich wieder hinten rein, diesmal allerdings mit ständiger Kontrolle. Zu Posten sieben verließ uns Søren, er lief bereits zum Ende der Phi-Loop, somit waren Björn und ich auf uns alleine gestellt. Ich übernahm nun großteils die Führungsarbeit und lief fast alleine, es war jedoch gut jemanden hinter sich zu spüren und zu wissen, dass man nicht komplett falsch lief.

Dann kam Posten 11, der erste Getränkeposten. Ich fühlte mich noch recht frisch, schließlich waren wir erst 40 Minuten unterwegs, doch aus irgendeinem Grund vergaß ich den Posten zu stempeln. Erst Pierre machte mich im Ziel auf meine Disqualifikation aufmerksam und ein Blick auf den Zwischenzeitabschnitt bestätigte es: Posten 11 fehlte. Wie peinlich.

Jetzt aber erstmal weiter im Rennverlauf: bis zum Beginn des zweiten Phi-Loops lief ich wieder ca. 20 Meter vor Björn. Dann teilten sich unsere Wege. Zu Posten 15 war ich etwas unentschlossen und als ich zu Posten 16 etwas zögerte, holte mich Björn wieder ein, allerdings hatte er bereits zwei Posten mehr gestempelt.

Also wollte ich zu 19 und 20 etwas auf’s Tempo drücken um den Anschluss nicht zu verlieren. Allerdings orientierte ich anstatt zu 19 von 13 auf 14 und war etwas vom Dickicht nordwestlich irritiert, ich verlor jedoch nicht viel an Zeit.

Am Weg zu Posten 21 erblickte ich Björn links von mir am Weg und ich konnte beruhigt weiterlaufen. Schnell etwas getrunken, einen Zuckerwürfel eingeworfen und, ganz wichtig, Posten stempeln. Leider lief ich zum nächsten Posten Björn blind über die Lichtung nach und so verpasste ich auch die (offensichtliche) Idealroute am kleinen Weg.

Dann ging es schon bald bei der Zielarena vorbei und es war schön, den eigenen Namen vom Sprecher zu hören. Meine Beine fühlten sich noch sehr frisch an und so versuchte ich etwas auf’s Tempo zu drücken. Bei der Getränkestation kurz nach Posten 24 nutzte ich die Möglichkeit ein selbst hingestelltes Getränk zu konsumieren. Danke an den Helfer, der meine Flasche wieder zuschraubte!

Schließlich schaffte ich es Björn bei der Getränkestation abzuhängen und kurz vor Posten 25 sah ich zwei andere Läufer (Erik Alnervik und Christian Hedelund), an die ich mich anhängen wollte. Leichter gesagt als getan, aber bei Posten 28 hatte ich mich endlich drangekämpft. Zu 29 lief ich bereits in der Mitte (vorne Erik) und zu 30 fand ich mich schon an erster Stelle wieder.

Auf den nächsten Posten lief man sehr viel auf Wegen. Das kam mir ganz gelegen, so konnte ich vorne etwas Druck machen. Am Weg bergauf zu Posten 38 konnte ich mich endlich etwas absetzen, prompt machte ich aber einen Fehler im Postenraum und wurde von Erik und Christian überholt. Posten 39 stempelte ich noch hinter Erik, zu 40 übernahm ich wieder die Führung.

Zu 42 riss Christian schließlich ab (er vergass übrigens dann Posten 43 zu stempeln, ein Getränkeposten; ich war also nicht der einzige…) und so ging es mit Erik im Zweierpaket weiter. Ich leistete weiterhin am meisten Führungsarbeit, nur wenn ich etwas unsicher wurde, konnte Erik mich überholen.

Bei Posten 46 holten wir plötzlich Søren (noch in Erinnerung? Mit ihm lief ich Teile der ersten Phi-Loop) ein, damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet. Die lange Routenwahl zu 47 liefen Søren und Erik direkt, ich war mir aber sicher, dass die Umlaufroute über den Weg schneller sein würde und so kämpfte ich alleine weiter.

Beim Posten angekommen von Søren und Erik keine Spur, war ich vorne oder hinten? Noch ein letztes Mal einen Becher geleert und weiter ging es, angefeuert vom Postenpersonal (der nette Herr rief „heja, Norge“, wahrscheinlich, weil ich einen Norwegen-Aufnäher auf meinem Laufoberteil habe), auf den letzten Kilometer. Jetzt noch einmal pushen, aber die Energiespeicher waren leer und die Beine müde.

Als ich Posten 50 anvisierte, erspähte ich links Søren, der gerade zu 49 lief. Von Erik jedoch keine Spur zu sehen. Meine Wegroute war also tatsächlich schneller. Ich spürte, wie er langsam aber stetig näher kam und bei einer kleinen Unsicherheit von mir zum vorletzten Posten konnte Søren mich schließlich wieder zurücküberholen. Zum letzten Posten und ins Ziel konnte ich leider nichts mehr entgegensetzen und so lief ich nach 2 Stunden, 42 Minuten und 20 Sekunden ins Ziel ein.

Was für ein Gefühl!

Als ich meine Disqualifikation realisierte, brach natürlich erstmal eine kleine Welt für mich zusammen. Aber schon kurz darauf fand ich es gar nicht mehr so schlimm. Schließlich wusste ich ja, dass ich den Lauf in einer halbwegs vernünftigen Zeit absolviert hatte und auch bei Posten 11 war. Dass ich in der Ergebnisliste nicht auf Platz 11 sondern bei den Nichtklassierten eingereiht bin, ist mir mittlerweile auch egal.

Ergebnisse
Zwischenzeiten

Heute geht es zum Saisonabschluss nach Ungarn zum Juniper Open. Dort lautet das Motto aber definitiv „FSL“. Und am Montag beginnt eine zweiwöchige sportfreie Übergangsphase. Genügend Zeit um die Saison 2011 zu planen.

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