Markus Plohn

Vizelandesmeister auf der Langstrecke

Beinahe hätte es am Wochenende mit meinem ersten Einzellandesmeister geklappt – es fehlten nur 35 Sekunden. Pierre, hochfavorisiert ins Rennen gegangen, machte einige Fehler und so lag ich den Großteil des Rennens sogar in Führung. Gegen Ende hatte Pierre aber mehr Reserven und konnte mich noch überholen. Stephan und Much machten den Vierfacherfolg des HSV OL Wiener Neustadt komplett. Hier mein Lauf im Detail:

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Posten 1
Zu Beginn gleich ein sehr „gefährlicher“ Posten, vor dem ich auch viel Respekt habe, denn sobald man den Weg überquert, kann man nur noch mit dem Kompass „hineinschwimmen“ und die Augen weit aufmachen. Ich komme nur etwas zu weit links und sehe den Posten gleich.

Posten 2
Mit dem Kompass geht’s gleich weiter, der offene Lichtungsstreifen mit den beiden Kuppen macht die Arbeit einfacher. Richtung halten und schon ist auch Posten 2 gefunden.

Posten 3
Die ersten paar Höhenmeter bergauf, aber nicht steil. Wieder ist Kompassarbeit gefragt, ich komme etwas zu weit links, aber genau bei der Weggabel heraus, von dort ist es kein Problem den Posten zu finden.

Posten 4
Die erste Routenwahl: quer durch den Graben oder Höhe durch’s Dickicht und dann den kleinen Weg entlang. Ich entscheide mich für Option 1 und laufe runter. Die kleine Grabengabel ist schon von Weitem zu erkennen und bietet einen guten Anhaltspunkt. Dann heißt es bergaufkämpfen und zwischen den Dickichten wieder hinunter bis zum Posten.

Posten 5
Erneut Kompasslaufen, allerdings helfen das kleine Dickicht und der Hochstand bei der Sache, danach ist man wieder auf sich gestellt. Laut Postenbeschreibung handelt es sich um einen Fuchsbau, und da der Wald schön offen ist, nehme ich nicht zuviel Tempo heraus, sondern vertraue darauf den Posten zu sehen. Das wird mir fast zum Verhängnis, denn der Posten ist sehr gut in einem Loch versteckt und ich laufe knapp daran vorbei. Ich drehe mich jedoch rechtzeitig um und muss so nur 10 Meter zurücklaufen.

Posten 6
Der erste längere Posten, die Route sollte jedoch klar sein. Also erstmal durch die Gräben zur Forststraße kämpfen und dann Tempo machen. Ich fühle mich läuferisch sehr gut und bin gut unterwegs. Dann kommt ein Kahlschlag. Da dieser auf der Karte mit starkem Bodenbewuchs gekennzeichnet ist, plane ich zuerst herumzulaufen. Als ich aber dort ankomme, entscheide ich mich doch durchzulaufen, da es nicht so schlimm aussieht. Anschließend geht’s rasant bergab, viel Zeit zum Kartenlesen bleibt da nicht, also vertraue ich auf den Kompass und komme punktgenau zum Posten.

Posten 7
Postenstandort: Sumpf. Da gibt es nichts nachzudenken. Entfernung schätzen und einfach den Graben runterlaufen. Ich schaue kein einziges Mal auf die Karte, der Posten ist schon von Weitem sichtbar. Bestzeit!

Posten 8
Wieder mit dem Kompass arbeiten. Entscheidend ist, wo man oben herauskommt und ob man sich auffangen kann. Das Durchqueren der vielen Rinnen und Gräben erschweren das genaue Richtunghalten, so gerate ich etwas zu weit nach rechts. Am Weg sehe ich jedoch die Rinnenenden und den kleinen Weg und kann von dort zum Posten laufen, zur Sicherheit aber mit angezogener Handbremse.

Posten 9
Ich überlege kurz hinunter zur Forststraße zu laufen und dann den Weg nördlich vom Posten wieder hinauf, sehe aber noch rechtzeitig, dass man sich dadurch den tiefen Graben nicht erspart. Die (wenn ich es mir jetzt ansehe ideale) Route über die Forstraße, dann den kleinen Weg zu nehmen von Westen zum Posten zu laufen sehe ich jedoch nicht und so laufe ich erstmal die Höhe bis zum Weg und dann durch den Graben.

Posten 10
Wieder zurück durch den Graben, das kostet Kraft, und danach geht es noch weiter bergauf – hier wird es so richtig anstrengend. Ich halte mich bewusst links um den Posten nicht rechts zu überlaufen. Aber dieser ist sowieso schon von Weitem sichtbar. Also schnell hin, stempeln und weiter geht’s. Seit langem habe ich endlich wieder ein richtiges Flow-Gefühl, das beim Orientierungslauf so wichtig ist.

Posten 11
Zuerst durch das Rinnen-Gräben-Wege-Wirrwarr kämpfen und dann leicht steigend zum Posten. Ich komme nur ein bisschen zu tief, fange mich aber dem Graben auf, so ist es ein Leichtes den Posten zu finden.

Posten 12
Vom Posten 11 weg laufe ich zunächst die richtige Richtung, bilde mir dann aber ein zu weit rechts zu sein und schwenke nach links zum Rand des Kahlschlags. Dort bemerke ich meinen Fehler und schwenke wieder zurück. Nachdem ich schon ein den Hang entlang laufe, überlege ich ob ich schon den Graben und die beiden Hohlwege gequert habe, erinnern kann ich mich daran nicht und so werde ich kurz stutzig. Ich verlasse mich dann aber doch auf meine Intuition und siehe da, es passt alles. Mulde da, Posten da.

Posten 13
Der steile und rutschige Boden aus dem Graben heraus verlangt einiges an Kraft ab. Eigentlich plante ich den Weg vorzulaufen und spät hinaufzustechen, jetzt am Weg angekommen muss ich aber erkennen, dass einige querliegende Bäume das Vorankommen deutlich erschweren. Also ändere ich meinen Plan und versuche es quer. Schlechte Idee, denn hier ist es noch schwieriger. Also doch wieder zurück zum Weg und über alle Bäume klettern. Der Posten selbst ist dann kein Problem.

Posten 14
Ein ziemlich einfacher Posten, wenn man die 3-Einzelbäume-Route verwendet. Vom ersten Einzelbaum läuft man weg und zielt den nächsten Einzelbaum an, der fast unter der Linie liegt. Von dort weiter die Richtung halten und nach dem Weg den Einzelbaum direkt neben dem Posten anvisieren, dann erspart man sich die Rinnen und Gräben mitzulesen. Das klappt alles auch gut, nur verliere ich bergauf etwas an Zeit.

Posten 15
Hier hilft das Dickicht bzw. der Kahlschlag: wenn man sich etwas links vom Nordwesteck hält, läuft man genau unter der Linie. Ab dem Weg halte ich mich aber wieder bewusst etwas links um nicht zu tief am Posten vorbeizulaufen. Außerdem versuche ich im bergablaufen die Route zu 16 zu planen. Zuerst sticht mir die linke Route (zwischen Posten 6 und 10 hindurch und über Posten 3) ins Auge, nur denke ich irrtümlicherweise, dass es bei Posten 3 bergauf geht, und das obwohl ich dort schon vorbeigelaufen war. Also suche ich nach einer Alternative und finde auch eine: rechts herum über die Forststraße.

Posten 16
Ich bleibe also bei meiner Entscheidung und nehme die rechte Route. Nachteil: Zu dem Weg, der zur Forststraße führt, muss man ein paar Höhenmeter hinauf und ein paar Rinnen queren. Nicht gerade ideal, wenn es zum Posten eigentlich nur bergab geht. Dies ist mir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst und so gebe ich Vollgas. Leider etwas zu viel Gas, denn ich verpasse die Abzweigung links. Besser gesagt: ich verpasse sie nicht, sondern denke, ich bin erst bei der ersten Gabel und laufe bewusst auf der Forststraße weiter. Erst als diese immer mehr nach rechts abbiegt und es immer steiler bergab geht, bemerke ich mein Faux-pas und nehme gerade noch die Notausfahrt. Die paar Meter Umweg mit 10 Höhenmetern extra kosteten in etwa 30 Sekunden.

Posten 17
Von dem kurzen Bergaufsprint zu Posten 16 (Zuschauerposten müssen immer schnell gelaufen werden – man muss ja was für’s Publikum auch tun) bin ich richtig fertig und als ich in den Wald reinkomme, merke ich erst, dass ich es vielleicht ein wenig übertrieben hatte. Leider geht es bis zum Posten, wenn auch nur leicht, aber doch, bergauf. Ich versuche zwar durchzulaufen, was mir auch gelingt, aber es geht trotzdem wertvolle Zeit verloren.

Posten 18
Ich überlege kurz den Weg links herum zu nehmen, sehe aber gerade noch die kleinen Weg, der fast direkt auf den Hügel führt. Hier geht es läuferisch wieder besser. Der Postenstandort ist klar: der nördlichste, unterste Felsen. Also zuerst an den beiden oberen Felsen vorbei, das gelingt mir auch gut, doch plötzlich denke ich ich bin zu weit links und korrigiere nach rechts. Ich bemerke zwar recht bald, dass sich der Hang zu sehr dreht, aber bis ich wieder zurückgelaufen bin und den Posten gefunden habe, sind weitere wertvolle 30 Sekunden dahin.

Posten 19
Mit dem Kompass grob den Hang hinunter und die offene Fläche anvisieren, nicht so schwierig. Ich meide die offene Fläche, laufe sie links aus und anschließend über den Weg. Der Posten ist schon von Weitem auszumachen, also Tempo machen.

Posten 20
Zuerst denke ich, der Posten könnte schwierig werden, da er sich inmitten vieler Rinnen und Gräben befindet. Wenn man aber genauer hinsieht, braucht man nur bis zum Ende des zweiten tiefen Grabens laufen, also einfacher als befürchtet. Ich lauf erst ein Stück am Weg und schneide spät hinüber, das spart Kraft.

Posten 21
Die Wiese mit dem Hochstand und dem besonderem Objekt ist wieder gut auszumachen, also nochmal Gas geben, schließlich ist der Lauf gleich aus. Dann ein paar Höhenmeter hinauf und die Rinne neben dem Dickicht anvisieren – kein Probleme.

Posten 22
Ich überlege kurz, ob ich rechts herum ums Dickicht laufen soll, aber der Weg ist wohl doch zu weit. Außerdem führt schon eine breite Spur in’s Dickicht, die ist bestimmt schneller. Der letzte Posten kann zwar nochmal gefährlich werden (keine Markierung in’s Ziel), da ich ihn aber beim Aufwärmen bereits gesehen hatte und genau wusste, dass daneben ein großer Baum quer lag, brauche ich nur ebendiesen Baum anpeilen, denn der ist vom Weg unten deutlich besser zu erkennen. Danach noch alles herausholen für den Zielsprint!

Bis Posten 17 lag ich tatsächlich in Führung, hätte ich nicht erwartet. Dass es am Ende so knapp geworden ist, motiviert mich nur für das nächste Mal – und das kommt schon bald.

Ergebnisse, Splitalyzer und Routegadget

Am Donnerstag davor stand ein Langdistanztraining in Bad Fischau am Programm. Aufgabe: die kurzen Posten locker laufen und die langen möglichst unter der Linie und in 6 Minuten. Den ersten langen Posten schaffte ich in 5:49, aber da hatte ich ja auch noch frische Beine. Zum zweiten benötigte ich 6:34, auch noch akzeptal. Bei der zweiten Schleife fehlten dann die Wege, was die ganze Sache natürlich interessanter machte. Beim dritten langen Posten blieb ich am Ende etwas im Dickicht hängen und lief 7:53, und das obwohl es bergab ging. Den letzten langen Posten schaffte ich gerade noch in 6:59, wieder mit kleineren Problemen kurz vorm Posten. Auf jeden Fall ein interessantes Training, bei dem nur vier Posten benötigt werden.

Karte vom Langdistanztraining

Da mir ja sonst langweilig werden würde, lief ich am Freitag abend mit Pierre noch ein Nacht-OL-Training in Grimmenstein. Um nicht allzuviele Höhenmeter machen zu müssen, fuhren wir mit dem Auto zum Start – was für ein Komfort. Mit meinem Kerzenlicht (anders kann man zu meiner Halogenlampe im Vergleich zu Pierres 1400-Lumen-MagicShine nicht sagen) bewaffnet schlug ich mich recht tapfer. Wir teilten die Strecke in mehrere Teile auf, liefen nacheinander oder gemeinsam weg und warteten wieder zusammen. So trafen wir uns bei den Posten 3, 4, 7 und 8 und konnten gleich die Routen analysieren. Außerdem mussten wir dann nicht alleine im dunklen Wald herumirren. Den Rest ab Posten 8 liefen wir gemeinsam. Das Dickicht bei Posten 12 war nicht mehr vorhanden, daher schossen wir etwas darüber hinaus und ließen Posten 13 auch gleich links liegen. Von Posten 15 ging’s dann zurück zum Auto und nicht in’s Ziel.

Karte vom Nacht-OL-Training

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2 KommentareKommentar schreiben

  • Gratuliere Plohni, man sieht das Leben als OL-Profi zahlt sich eben aus :-) Bei dem rasanten Tempo wie du stärker wirst bist bei der Nacht schon vorne! V.a. da ich davon ausgehe, dass du dir schon eine neue Lampe bestellt hast, eine mit mind. 1.400 Lumen ;-)