Markus Plohn

O-Ringen: danke!

Jedes Jahr im Juli strömen tausende Orientierungsläufer nach Schweden zu O-Ringen, der weltweit größten Orientierungslaufveranstaltung (2010: 16.069 Teilnehmer), ausgetragen als 5-Tage-Lauf seit 1965. Im Jahr 2001 zog es auch mich erstmals ins Land der Elche und schon nach der ersten Teilnahme war klar: hier komme ich öfters her. Die Wälder, die Organisation, die Atmosphäre – einfach unglaublich.

Bald wurde daraus für mich eine Tradition und nach ein paar Teilnahmen stand für mich fest: Zehnmal O-Ringen hintereinander – möglich? Absolut! Ich schaffte es tatsächlich von 2001 bis 2010 jedes Jahr nach Schweden zu fahren und mitzumachen! Aber alles der Reihe nach.

O-Ringen 2001: Märsta (Uppland), 12.525 Teilnehmer

Inmitten einer riesigen Zeltstadt

Mein erstes O-Ringen. Gemeinsam mit Stephan und Flo. Anschließend ging es noch weiter nach Finnland zur Weltmeisterschaft, wo wir an einem 4-Tage-Publikumslauf teilnahmen, und bei der Rückfahrt stieg ich in Tschechien aus um einen weiteren 5-Tage-OL zu laufen. 14 Wettkämpfe in 20 Tagen waren schon fast zuviel.

Kategorie: H20
Beste Etappenplatzierung: 8. (Etappe 5)
Gesamtplatzierung: DISQ (Fehlstempel bei Etappe 4)
Woran ich mich immer erinnern werde: Cecilia, Abschlussparty in der Eishockeyhalle!

O-Ringen 2002: Skövde (Skaraborg), 14.651 Teilnehmer

Das einzige Mal, dass ich in einer Lang-Kategorie lief. Vor O-Ringen absolvierten Pierre, Flo, Stephan und ich ein Trainingslager in Dänemark und Schweden, ehe wir weitere Vereinsmitglieder östlich von Göteborg trafen, zum Trainingslager natürlich. Nach O-Ringen fuhren wir noch für ein paar Trainingstage weiter nach Stockholm (Lidingö) und auch noch nach Finnland. Sechs Wochen Trainingslager!

Kategorie: H20L
Beste Etappenplatzierung: 9. (Etappe 3)
Gesamtplatzierung: 19.
Woran ich mich immer erinnern werde: Sportwoche am Campingplatz in Frillesas, Pierre’s 50€-Strafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses

O-Ringen 2003: Uddevalla (Bohuslän-Dal), 14.998 Teilnehmer

Unser selbst gebautes Volleyballfeld war der Renner am Campingplatz

Beinahe wäre meine Serie hier schon zu Ende gegangen. Denn eigentlich waren Stephan und ich nur zum Sightseeing und Wandern in Norwegen. Bei der Rückfahrt entschlossen wir uns dann doch an O-Ringen teilzunehmen. Daher lief ich auch nur eine Direkt-Klasse.

Kategorie: Direkt 9
Beste Etappenplatzierung: 41. (Etappe 3)
Gesamtplatzierung: 1. (von 3 …)
Woran ich mich immer erinnern werde: Eigenes Volleyballfeld am Campingplatz, Die Norweger-Party

O-Ringen 2004: Göteborg (Göteborg), 13.259 Teilnehmer

Die letzte Etappe gingen wir ganz entspannt an

Mit Harry, Tommy, Anita, Schuarl und Leidi nahm ich zuerst am Publikumslauf bei der Europameisterschaft teil, anschließend fuhren wir nach Göteborg. Der Spaß (und Alkohol) stand hier eindeutig im Vordergrund.

Kategorie: H21-1
Beste Etappenplatzierung: 25. (Etappe 3)
Gesamtplatzierung: DISQ (Fehlstempel bei Etappe 4)
Woran ich mich immer erinnern werde: „Zieleinflug“ bei der letzten Etappe, Harry’s „Missgeschick“

O-Ringen 2005: Skillingaryd (Smaland), 12.657 Teilnehmer

Vorm Aufbruch zur Abschlussparty stimmten wir uns mit der Hymne ein

Nach Party im Vorjahr ging es wieder mehr ums Laufen. Zuerst ein 3-Tage-OL in Halland, dann eine Woche Trainingslager in Jönköping und anschließend O-Ringen. Von Anfang an dabei waren Michi, Bernd, Gerhard, Gisa, Stephan und Marlies, in der zweiten Woche kamen noch Valentin, Angelika, Verena, Flo und Roland dazu.

Kategorie: H21
Beste Etappenplatzierung: 44. (Etappe 5)
Gesamtplatzierung: 85.
Woran ich mich immer erinnern werde: Bier-OL, Orientshow, Frida und Sofia, Abschlussparty in der geilsten Location mitten im Wald

O-Ringen 2006: Mohed (Hälsingland), 14.050 Teilnehmer

Kein Mythos, es gab ihn wirklich: der Mohnmann

Wieder eine sehr nette Partie mit dabei: Martin, Bernd, Christl, Stefan, Gisa und Flo. Leider wurde nach O-Ringen, als wir noch ein Trainingslager anhängen wollten, unser Bus aufgebrochen und der Groteil unserer Sachen gestohlen. Das Trainingslager absolvierten wir daher mit alternativen Methoden in alternativer Kleidung:

„So sollst du sterben!“

Kategorie: H21-1
Beste Etappenplatzierung: 61. (Etappe 3)
Gesamtplatzierung: 107.
Woran ich mich immer erinnern werde: Körv med Bröd am See, Animals, Mohnmann

O-Ringen 2007: Mjölby (Östergötland), 13.793 Teilnehmer

Trainingslager in den Sanddünen Dänemarks

Wie 2003 machten wir vor O-Ringen eine Sightseeing-Tour durch Norwegen. Dieses Land mit seinen Fjorden ist einfach wunderschön. Mit dabei waren Stephan, Jutta, Roland, Verena und Usch.

Kategorie: H21
Beste Etappenplatzierung: 17. (Etappe 5)
Gesamtplatzierung: 35.
Woran ich mich immer erinnern werde: Biathlongewehrschießen, Beachvolleyball

O-Ringen 2008: Sälen (Dalarna), 24.375 (!) Teilnehmer

Im Zieleinlauf wurde noch schnell ein Bier gekippt

Es war wiedermal Zeit für etwas mehr Party. Nachdem wir schon den 5-Tage-OL Fin5 in Finnland davor bestritten hatten, fiel für Leidi, Schuarl, Bernd, Michi, Roland, Gisa, Stefan und mich O-Ringen mehr unter die Kategorie „Spaß haben“. Was man vielleicht daran bemerkt, dass wir die letzte Etappe mit Partyhüten liefen und auf der Zieleinlaufbrücke sogar noch Zeit hatten ein Bier zu trinken.

Kategorie: H21-2
Beste Etappenplatzierung: 173. (Etappe 2)
Gesamtplatzierung: DISQ (Fehlstempel bei Etappe 5)
Woran ich mich immer erinnern werde: Abschlussparty im Hotel, 20min-Fehler bei der ersten Etappe, Hütte

O-Ringen 2009: Eksjö (Smaland), 15.589 Teilnehmer

In den Fjorden Norwegens

Wie bereits erwähnt, ist Norwegen ein sehr schönes Land, und daher tourten Jenny und ich gleich nochmal durch die Fjorde. Jedoch nicht ohne vorher O-Ringen zu laufen. Ein so einfaches Gelände wie hier hatte ich bei keinem anderen O-Ringen zuvor erlebt.

Kategorie: H21K
Beste Etappenplatzierung: 29. (Etappe 4)
Gesamtplatzierung: 53.
Woran ich mich immer erinnern werde: die Schlucht, das einzige O-Ringen mit Freundin

O-Ringen 2010: Örebro (Örebro), 16.069 Teilnehmer

Die Vollendung. Ich wollte meine O-Ringen-Serie mit einer guten Platzierung (top 30) abschließen. Daher ging es gemeinsam mit Bernd, Michi, Gisa und Christl davor nach Linköping auf Trainingslager. Das hat sich gelohnt, denn so konnte ich mein Ziel mit Platz 25 erreichen.

Kategorie: H21K
Beste Etappenplatzierung: 23. (Etappe 1)
Gesamtplatzierung: 25.
Woran ich mich immer erinnern werde: Kungsgatan 36A, das blaue Fahrrad, Donkey Kong

Und hier noch ein paar Statistiken über alle 10 Jahre:

Beste Etappenplatzierung: 8. (5. Etappe 2001)
Kürzeste Etappenlaufzeit: 32’46 (4. Etappe 2009)
Kürzester Etappenrückstand auf Sieger: 2’59 (5. Etappe 2007)

Schlechteste Etappenplatzierung: 212. (1. Etappe 2008)
Längste Etappenlaufzeit: 122’51 (2. Etappe 2006)
Längster Etappenrückstand auf Sieger: 68’32 (2. Etappe 2006)

  • Bei insgesamt 4 Etappen wurde ich disqualifiziert bzw. lief ich nicht durch, das entspricht genau 8% aller Etappen.
  • Meine durchschnittliche Etappenplatzierung ist 67., die durschnittliche Gesamtplatzierung jedoch 46.
  • Im Schnitt verlor ich pro Etappe 17’33 und gesamt durchschnittlich 59’37.
  • Am längsten benötigte ich 2006 für alle Etappen (6h 55min), am kürzesten 2009 (3h 57min).
  • Durschnittlich begleiteten mich 4,5 Freunde auf meiner Reise. Ich war nie alleine.

2010: Die Vollendung.

Mein (vorläufig) letztes Mal O-Ringen möchte ich ein wenig im Detail erläutern.

Mit einem Gemeindebus machten wir (Bernd, Michi, Gisa und ich) uns am Freitag von Wiener Neustadt aus auf den Weg nach Linköping, Schweden. Warum Linköping? Wir wollten die Woche vor O-Ringen für ein Trainingslager nützen und da Anita vor kurzem in Linköping ein Auslandssemester absolvierte und uns dankenswerterweise ihre bei Trainings und Wettkämpfen gesammelten Karten aus der Region zur Verfügung stellte, war Linköping der perfekte Ort.

Als wir am Samstag nach einem 20h-Trip in Linköping ankamen und wir am Campingplatz unsere Hütte bezogen hatten, hieß es erstmal gemütlich auslaufen. Dazu bot sich gleich mal der Wald neben dem Studentenviertel Ryd an, von mir liebevoll „Rydwald“ bezeichnet, vom Campingplatz laufend in nur wenigen Minuten erreichbar.

Beim Packen für die Reise am Donnerstag Abend unterlief mir ein Missgeschick: ich brach mir die linke kleine Zehe. Ich fürchtete schon gar nicht laufen zu können, doch beim Auslaufen am Samstag hatte ich keinerlei Schmerzen.

Unsere Hütte am Campingplatz in Linköping war gerade groß genug

Das Training beginnt
Am Sonntag  war Zeit mit dem ernsthaften Training zu beginnen. Am Vormittag stand zur Eingewöhnung in Karte und Wald ein Vielposten-OL auf der Karte „Vidingsjö“ (am südlichen Rand von Linköping) am Programm. Kurze Fahrt zum Trainnigsort, OL-Schuhe angezogen und los geh … nein … aua! … verdammte gebrochene Zehe! Höllische Schmerzen bei jedem Schritt, unmöglich zu laufen. Andere Laufschuhe hatte ich leider keine mit, also blieb mir nichts anderes übrig als humpelnd nur den ersten Teil des Trainings zu absolvieren. Nicht gerade ein guter Start ins Trainingslager. Das machte aber gar nicht so viel aus, denn der Wald war sehr dicht und die Karte bereits ein paar Jahre alt.

Karte Vielposten-OL (das Haus vom Nikolaus wäre ich so gerne gelaufen…)

Am Nachmittag holten wir dann erstmal Christl vom Flughafen Stockholm ab, sie kam direkt von der MTBO-JWOC aus Portugal angeflogen. Da es aber im hohen Norden sehr lange hell bleibt, war noch genügend Zeit für ein zweites Training. Diesmal mit abgetapter Zehe und normalen Laufschuhen, die etwas breiter als die OL-Schuhe sind, ausgerüstet, hatte ich weniger Schmerzen und konnte schon halbwegs flott durch den Wald hirschen. Da wir bereits etwas müde waren liefen wir nur 2,5 der 5 Strecken ab. Zu Posten 11 unterlief mir ein „kleiner“ Fehler und ich kam bei Posten 12 heraus. Gut, im Training darf sowas passieren. Posten 21 und 22 wurden von einer Kuhherde bewacht und da wir uns mit den schwedischen Kühen besser nicht anlegen wollten, spazierten wir zurück zum Bus.

Karte Staffelstarts

Zähne zusammenbeißen
Ich wollte es einfach nicht wahr haben, dass mich so eine kleine gebrochene Zehe jetzt am Training hindert. Also hieß es ab Montag volles Programm: 27′-Frühstückslauf direkt nach dem Aufstehen, am Vormittag ein 10km-OL-Training und am Nachmittag nochmal 7km OL dazu. Macht 23km an einem Tag, Übertraining lässt grüßen.

Am Vormittag fuhren wir etwas weiter, nämlich nach Finspang. Und dort erlebten wir etwas, was einem nur in Skandinavien (oder eventuell auch in der Schweiz) passieren kann: als wir aus dem Bus ausstiegen und uns für das Training fertig machten, sahen wir neben uns ca. 10 Jugendliche, die sich ebenfalls gerade für das OL-Training vorbereiteten. Wie toll ist das bitte?

Als Training liefen wir eine fixe Bahn mit zwei Schmetterlingen. Der Wald dort war zauberhaft und viel besser zu belaufen als Vidingsjö – echt motivierend. Mir unterliefen nur wenige kleine Fehler. Am Weg zu Posten 14 trabten plötzlich zwei Elche vor mir als ich von der Forststraße auf den kleinen Weg durch den Kahlschlag wechseln wollte. Einen Elch hätte ich ja umgehauen, aber zwei waren mir doch zuviel, also wich ich etwas westlich aus :)

Karte Schmetterlinge

Am Nachmittag übten wir die immer öfter auftretenden Phi-Loops, eine neue Form des Schmetterlings. Da ich aber an diesem Tag bereits genug Kilometer in den Beinen hatte und der Wald wieder sehr schwierig zu laufen war, schnitt ich ein Stück ab.

Karte Phi-Loops

Es läuft
Am Dienstag schraubten wir ein wenig zurück: nur ein OL-Training. Den Frühstückslauf ließen wir jedoch nicht aus. Wieder in Finspang absolvierten wir diesmal ein Routenwahl-Training, das aber eher zum Schattenlauf wurde (ich lief gemeinsam mit Michi). Hier hatten wir ein sehr ähnliches Erlebnis wie am Vortag: wir parkten mitten im Wald und wer parkt da neben uns? Ein Auto aus Tschechien mit drei Orientierungsläufern – welch ein Zufall. Man konnte fast meinen, die Orientierungsläufer hatten die Weltherrschaft an sich gerissen.

Bis auf den Fehler vom letzten Posten in Ziel (ups) lief das Training ganz gut. Aber im Wettkampf ist der Zieleinlauf meist markiert…

Karte Routenwahlen

Zur Entspannung spielten wir am Nachmittag im Rydwald eine Runde Frisbee-Golf. Dort standen ca. 20 Bahnen, hineingeschlägert in den Wald, zur Verfügung. Wir machten uns mit unserer billigen Plastikfrisbee zwar etwas lächerlich, aber Spaß hatten wir genug.

Das Ziel beim Frisbee-Golf ist es in den Käfig zu treffen

Abwechslung muss sein
Um den Speed auch ein bisschen zu fördern, liefen Michi und ich am Mittwoch Vormittag ein Intervalltraining im Rydwald. Wir suchten uns eine nette 300m-Runde (die war schnell gefunden) und liefen im Staffelsystem einmal 300m und einmal 600m, das ganze viermal. Sehr nett.

Das obligatorische OL-Training bestand diesmal aus Postennestern. Bei dem Nest zwischen Posten 10 und 16 hatte ich so meine Probleme, dafür war der Teil zwischen 18 und 23 wunderschön. Wie alt die Karte war konnte man daran bemerken, dass östlich von Posten 23 auf der gelben Fläche ein Supermarkt stand.

Karte Postennester

Ein letztes Mal Vidingsjö
Ja, diesen Wald kosteten wir so richtig aus, und das, obwohl es nicht gerade der schönste war. Dennoch absolvierten wir hier nochmal ein letztes OL-Training, natürlich nicht ohne Frühstückslauf.

Da wir uns ja bereits an Karte und Wald gewöhnt hatten, brauchten wir eine neue Herausforderung: Korridor-OL. Die ersten beiden Posten lief/ging ich auf Nummer Sicher, den Rest probierte ich etwas flotter. Gar nicht so einfach, wie sich am Ergebnis leicht nachvollziehen lässt: grober Haken vor Posten 4, Richtungsfehler zu Posten 5, Richtungsfehler zu Posten 10. Bei Posten 7 war ich extra vorsichtig, da hier die Gefahr bestand aus der Karte zu laufen. Dann hätte man noch weniger als einen Korridor gehabt.

Karte Korridor-OL

Unglaubliche Wälder
Für die beiden letzten Einheiten unseres Trainingslagers am Freitag fuhren wir wieder ein Stück weiter weg.

Kurz vorm Trainingsbeginn: Gruppenfoto mit unserem Trainingsmaskottchen Schnurli

Am Vormittag liefen wir eine Staffelbahn ab. Der Anfang war etwas depremierend (durch das hohe Gras und über den Kahlschlag kämpfen), doch schon der Hügel beim ersten Posten bot genügend Entschädigung. Dann wurde es immer besser: tolles Laufgelände bei den Posten zwei, drei und vier und als ich die Posten fünf bis neun lief, dachte ich, ich wäre im Himmel. Halb offener, super schnell belaufbarer Wald, wo man jedes Detail auf der Karte mitlesen und ständig den Kartenkontakt halten konnte. Wow! Kein Wunder, dass dieses Training wie im Flug verging.

Karte Staffelbahn

Am Nachmittag war Zeit für das letzte OL-Training. Die auf der Karte vorgegebene Bahn führte viel durchs Dickicht und so beschlossen Michi und ich eine eigene Bahn zu zeichnen und diese gemeinsam abzulaufen, denn der westliche Teil der Karte versprach mehr. Und dieses Versprechen sollte er auch halten: wieder traumhaftes Gelände wie am Vormittag. Vor allem zwischen den Posten zwei und drei lief einem richtig das Wasser im Mund zusammen (vielleicht war es auch einfach nur Schweiß).

Karte Schattenlauf

Das Trainingslager hatten wir also gut überstanden. Mit viel Tape und der richtigen Schuhwahl konnte ich bei den Trainings meine gebrochene Zehe vergessen. Die Anzahl der Trainings hatten wir auch gut gewählt, zwar ein strammes Programm und nicht zuviel um ins Übertraining zu gelangen. Außerdem benötigten wir ja noch Kraft für 5 Wettkämpfe bei O-Ringen.

Auf nach Örebro
Am Samstag in der Früh ging es auf nach Örebro. Fahrtzeit: lächerliche 2h (beinahe hätte uns aber ein Elch einen Strich durch die Rechnung gemacht, als er knapp vor unserem Bus die Straße überquerte).

Kurz nach der Straßenquerung macht sich der Elch im Wald auf und davon

In Örebro angekommen besuchten wir erstmal die O-Ringen-Town und holten unsere Startnummern. Danach bezogen wir unsere Unterkunft im Stadtkern, eine Wohnung, die uns freundlicherweise von einer schwedischen Familie zur Verfügung gestellt wurde.

Am Nachmittag, als gerade die Jugendstaffel in der Stadt stattfand, erkundeten wir gemütlich joggend die Stadt, indem wir einen Foto-OL absolvierten. O-Ringen konnte kommen!

Etappe 1: das Beste am Anfang
Für die erste Etappe hatte ich mir einen sicheren Lauf vorgenommen. Mein Ziel für O-Ringen war eine Platzierung unter den top 30 von insgesamt 236 Teilnehmern. Machbar?

Der erste Posten gelang mir gut, doch bereits zum Zweier machte ich einen groben Richtungsfehler, der mich satte 2,5 Minuten kostete und mir den 111. Zwischenrang einbrachte. Zum Dreier lief ich dann viel zu zögerlich und verlor weiter Zeit. Dann hieß es laufen, laufen, laufen! Die übrigen Posten (gut, es waren nur noch sechs übrig) erwischte ich für meine Verhältnisse perfekt und so konnte ich einen Platz nach dem anderen aufholen, was schlussendlich Rang 23 bedeutete.

Natürlich war ich mit dem Lauf nicht ganz zufrieden, umso mehr war ich über die Platzierung überrascht. Ich hoffte bei den übrigen Etappen weniger Fehler zu machen und ein noch besseres Resultat zu erbringen. Dies sollte mir jedoch nicht gelingen.

Karte Etappe 1

Etappe 2: kurz ist nicht immer kurz
Eine der fünf O-Ringen Etappen wird immer als Mitteldistanz ausgetragen, diesmal war dies bereits bei der zweiten Etappe der Fall. Ich freute mich schon besonders darauf, denn für gewöhnlich erzielte ich hier meine besten Resultate.

Als ich nach dem Startsignal die Karte aufnahm und die ersten Meter gelaufen war, ahnte ich schon Schlimmes: sehr detailreiche Karte und schwer belaufbarer Untergrund – suboptimal für einen schnellen Lauf. Leider bewahrheitete sich meine Befürchtung auch: ein reiner Stop-And-Go-OL, der einem alle Kräfte raubte. Nur der Mittelteil zwischen Posten sieben und zwölf erlaubte höheres Tempo. Ich machte zwar nur kleine Postenraumfehler, doch im Summe und zusammen mit den vielen Stehern war mein Lauf für eine gute Platzierung einfach nicht gut genug, nur Rang 43.

Nun gut, ich hatte also ein paar Plätze im Gesamtklassement verloren, lag aber immer noch auf Kurs.

Karte Etappe 2

Etappe 3: Allergisch?
Vor der dritten Etappe hatten wir schon fast Angst, denn wir wussten, dass das Laufgelände das selbe schwierige Gebiet war wie am Vortag, diesmal aber mit einer Karte im Maßstab 1:15.000 statt wie am Vortag 1.10.000.

Noch ist es ruhig im Zieleinlauf

Gleich die ersten beiden Posten waren sehr schwierig, doch ich erwischte beide sehr gut. Und genauso gut ging es weiter. Bis zu einem Schreck kurz vor Posten fünf. Der Läufer vor mir, stieg in ein Wespennest und es schossen hunderte Wespen aus dem Boden. Ich hatte nicht viel Zeit zu reagieren, ausweichen ging sich nicht mehr aus, ich konnte gerade noch die Arme hochreißen und so mein Gesicht schützen. Die Wespen schonten mich auf jeden Fall nicht: ich spürte zwei heftige Stiche ins rechte Schienbein und in den rechten Oberschenkel und ich ließ erstmal einen Schrei los. Gott sei Dank konnte ich weiterlaufen und die Stiche beeinflussten mich nicht weiter.

Zuerst dachte ich „na toll, der vor mir steigt ins Wespennest und ich werde genagelt“ und als er zwei Sekunden nach mir aufschrie, da er anscheinend von einer nachjagenden Wespe gestochen wurde, dachte ich nur noch „na hoffentlich reagiert der nicht allergisch, sonst kann ich ihn zur ersten Hilfe schleppen“. Das trat jedoch zu meinem Glück nicht ein.

Bei Posten sechs machte ich einen kleinen Postenraumfehler, der mich total aus dem Konzept warf. Die Zeit wollte ich mit der Brechstange unbedingt wieder aufholen. Schlechte Idee. Denn statt Aufzuholen, musste ich im Postenraum des Siebener eine 4-minütige Suchaktion starten. Ich war mir zwar sicher, wo ich war, und ich lief den Posten von drei verschiedenen Anhaltspunkten aus an, doch erst als ich sah wie ein anderer Läufer den Posten stempelte, konnte auch ich ihn erspähen.

Der Rest lief wieder sauber, aber eine Topplatzierung hatte ich mir verdorben. Mit einer 30. Etappenplatzierung konnte ich mich aber auf Kurs halten. Am Abend bei der Untersuchung der Wespenstiche kam die Überraschung: statt der gespürten zwei Stiche hatten mich mindestens vier erwischt, jeweils eine weitere in den rechten Knöchel und ins untere rechte Schienbein. Vor allem der Knöchel und das Schienbein schwollen extrem an und ich befürchtete schon am nächsten Tag nicht mehr laufen zu können. Doch glücklicher Weise juckte es nur höllisch, Schmerzen hatte ich, auch beim Laufen, keine. Und mit Kühlverbänden gingen auch die Schwellungen ein wenig zurück.

Vor allem das Schienbein schwoll stark an, war aber nicht laufbehindernd

Karte Etappe 3

Etappe 4: Speed, Speed, Speed
Auf die vierte Etappe freute ich mich fast noch mehr als auf die Mitteldistanz, denn diese wurde von den Veranstaltern „Speedstage“ genannt, wohl aufgrund des schnell belaufbaren Waldes. Der Lauf ge-/misslang mir leider genauso wie die anderen zuvor. Ein grober Schnitzer zu Posten zwei (ich interpretierte den Kahlschlag bzw. die Lichtung falsch und lief zu weit) und ein kleinerer Postenraumfehler beim Elfer.

Der Wald war wirklich schnell belaufbar, vor allem ab Posten sieben. Darum wirkten sich auch kleinere Fehler gröber aus als sonst, was für mich schlussendlich Rang 27 bedeutete, die zweitbeste Etappenplatzierung bei diesem O-Ringen.

Karte Etappe 4

Etappe 5: Chasing start
Ja, Jagdstart ist schon etwas besonderes und darauf freue ich mich immer wie ein kleines Kind auf’s Schneemannbauen. Ausgangslage: Rang 25. Mein Ziel hieß also erstmal keine Plätze zu verlieren um mein Gesamtziel zu erreichen.

Dies hing natürlich auch davon ab, in welchen Zeitabständen die Läufer vor und hinter mir starteten. Nach vorne hatte ich mehrere Minuten Abstand, hinter mir startete ein Schwede jedoch mit nur 45 Sekunden Rückstand, dahinter war wieder mehrere Minuten Luft. Also einholen lassen, ein sicheres Rennen abspulen und im Zieleinlauf abhängen. Guter Plan.

Los ging’s. Ich nahm die Karte und lief los, faltete um, faltete wieder auf um zu kontrollieren ob ich die richtige Karte hatte und faltete erneut. Las die Postenbeschreibung und kam beim Startpunkt an. Überlegte kurz die Route – links herum. Nach nur wenigen Metern, als ich gerade den Bach gequert hatte, knackste es hinter mir – der Schwede war bereits da.

Gut, ich hing mich erstmal hinten rein und ließ den Schweden die Führungsarbeit bei den ersten beiden Posten machen. Auf halbem Weg zu Posten drei lief der Schwede direkter, ich entschied mich die Schneise auszulaufen. Beim Posten angekommen kein Schwede, ich war mir sicher vorne zu sein. Um Gas zu geben war es aber noch zu früh, daher lief ich Posten vier wieder mit angezogener Handbremse an, wodurch mich der Schwede wieder einholte.

Also löste ich wieder ein Busticket und stieg in den Schwedenbus ein. Nach drei Stationen, am Weg zu Posten sieben, übernahm ich wieder die Führung, die nächsten Posten sahen nämlich einfach aus und sollten auch für mich schaffbar sein ohne mich zu blamieren.

Der Schwede hatte etwas Mühe auf der langen Laufstrecke zu Posten neun mitzuhalten und fiel immer weiter zurück, beim Querlaufen konnte er jedoch wieder aufholen. Dann unterlief mir ein schwerer Fehler: nach dem Dickicht zu Posten zehn dachte ich plötzlich ich wäre bereits viel weiter westlich, korrigierte nach Osten und verlor so den Schweden aus den Augen.

Ich irrte ein wenig umher, fing mich schlussendlich zwischen Posten zehn und elf auf und lief dann schnurstracks zum Posten. Ich dachte schon, der Schwede hätte sich über alle Berge geschmissen, doch etwa 30 Meter vor dem Posten kam er mir bereits zum nächsten Posten laufend entgegen – er musste also auch ein wenig gesucht haben. Beine in die Hand nehmen und sofort wieder aufholen war die Devise, denn weit war es nicht mehr ins Ziel. Gott sei Dank schaltete ich das Gehirn doch nicht ganz aus und als meine Distanzgefühlalarmglocken (schönes Wort) läuteten blieb ich stehen und drehte mich um: da war der Posten. Der Schwede lief zu weit, das war meine Chance!

Kompass schauen und weiter ging’s. Auf der Forststraße drehte ich mich kurz um und erblickte den Schweden ca. 100 Meter hinter mir, er hatte seinen Irrtum also bald bemerkt. Jetzt hieß es sicher zu den Posten 12 und 13 zu laufen und am Schluss richtig Gas zu geben.

Posten 12 erwischte ich optimal. Ich wollte mich nun nicht von dem Schweden ablenken lassen und drehte mich nicht mehr um. Bis kurz vorm Postenraum des Dreizehners hatte ich alles unter Kontrolle. Doch dann verlor ich etwas die Richtung und bog nach rechts ab. Als ich dort dann noch einen anderen Posten fand, war ich komplett verwirrt und korrigierte sogar in die falsche Richtung. Nein!

„Was machst du, plohni?“ schoss es mir durch den Kopf. Als ich nach einer zweiminütigen Suchaktion den Posten endlich gestempelt hatte, hatte ich Rang 25 bereits abgeschrieben und hoffte nur noch die top 30 halten zu können. Bei den letzten beiden Posten und im Zieleinlauf gab ich nochmal Gas um vielleicht den Schweden doch noch einzuholen, aber ich sah ihn nicht mehr, auch nicht irgendwo im Ziel herumstehen.

Karte Etappe 5

Also auf zur Unterkunft und Endrang nachsehen, dank online Ergebnisse kein Problem. Und siehe da: Gesamtrang 25, Ziel erreicht! Doch wie das? Hatten wir vielleicht einen anderen Läufer überholt? Nein. Der Schwede zeigte noch mehr Nerven als ich. Er baute nämlich Posten 12 vier Minuten ein und fiel sogar ein paar Plätze zurück. Da die Läufer hinter mir zuviel Rückstand hatten, verlor ich durch meinen Fehler am Schluss keine Plätze. Und auch nach vorne war zuviel Abstand um Plätze gut zu machen, der Fehler hatte also keinerlei Auswirkung. Wenn mir das mal einer im Wald gesagt hätte.

Ziel erreicht! Platz 25! Natürlich wäre mehr (top 15) drin gewesen, schließlich machte ich bei jeder Etappe größere Schnitzer, aber so ist der Orientierungslauf eben. Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und ich denke es war ein krönender Abschluss einer tollen O-Ringen-Serie.

Ach ja, nicht zu vergessen: die 6. Etappe. Diese hatte zwar weniger mit Laufen zu tun, Ausdauer wurde dennoch benötigt. Es handelte sich dabei nämlich um die große Abschlussparty, die man nicht verpassen sollte.

Abschlussparty in der Regenbogendisco

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mich bei meinen O-Ringen-Reisen begleitet haben und diese mit mir erlebt haben. Es waren wunderschöne Zeiten! In den nächsten Jahren werde ich wohl in anderen Ländern an den Start gehen, was nicht bedeutet, dass mich Schweden nie wieder sehen wird. Allen, die das Erlebnis O-Ringen noch nicht genießen durften, kann ich es nur wärmstens empfehlen! Es müssen ja nicht gleich zehn Mal sein, aber zumindest einmal sollte man als Orientierungsläufer schon dort gewesen sein.

Tack, O-Ringen! Tack, Sverige!

Ähnliche Beiträge

Über den Autor Alle Beiträge anzeigen Autor Website

Markus Plohn

Die einzige Seele auf diesem Blog.

2 KommentareKommentar schreiben

  • Gratuliere zu deiner 10 mal 5 dagars – Serie!
    Danke auch für deine Bemühungen andere an deinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Studiere immer gerne die Karten.
    Wie wärs nächstes Jahr mit 6-Tage-Ol in Flims/Schweiz?
    Lauter Alpin-Etappen zwischen 1000 und 3000m (!)

  • Nett zu lesen dein Beitrag!
    Vielleicht fahr ich ja nächstes Jahr auch wieder rauf zum O-Ringen….für mich wärs erst das zweite mal nach 2004 in Göteborg….

    5-Tage-OL in Trondheim im Rahmen der WM war aber auch nett.

    Vielleicht geht sich bei mir ja auch mal wieder ein Austria Cup aus. Man sieht sich.

    lg aus Salzburg,
    Andi Rameder