Markus Plohn

Knapp vorbei ist auch daneben, trotzdem zufrieden

Es sollte einfach nicht sein. Aber ich war sowieso selbst daran schuld. Nichtsdestotrotz war es ein schöner Lauf, die Niederösterreichische Meisterschaft 2010 im Sprint-OL in Sandleiten, Wien. Die Bahn, das Wettkampfgelände, die Aufwärmkarte, die Infrastruktur, alles hat gepasst – nur eben mein Lauf nicht. Denn wenn man einen Posten auslässt, weil man meint, er wäre nicht da, wird man nur zurecht disqualifiziert. Vor allem dann, wenn man an der falschen Stelle gesucht hat.

Karte mit Route und Bahn

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Aber jetzt von Anfang an: es erwartete uns eine 2,5km lange Bahn mit 23 Posten in einer detailreichen Wiener Siedlung: Sandleiten. Zum Aufwärmen gab es eine kleine Karte im passenden Maßstab vom Kongresspark direkt neben dem Start – danke an den Veranstalter!

Nach intensivem Aufwärmen geht es los: auf der Karte Start und ersten Posten suchen und gleich in einen Gemeindebau. Die Teilstrecke ist lang genug um in die Karte hineinzufinden und die Route zum zweiten Posten zu planen. Erster Posten ist da, passt!

Ich entscheide mich für die südliche Route zum zweiten Posten und kann diese schnell durchziehen – Bestzeit! Die nächste Routenwahl kommt sofort: ich wähle die nördliche Route, verliere nur zwei Sekunden auf Pierre. Schon die ersten drei Posten versprechen eine geniale Bahn.

Zu Posten vier ist die Route ziemlich klar, läuferisch verliere ich nur eine Sekunde auf Stephan und liege zu diesem Zeitpunkt nur drei Sekunden hinter Pierre und acht vor Stephan – ein heißes Rennen.

Die Hitze soll jedoch gleich verloren gehen: kurz vor Posten fünf ist die Tür durch den Durchgang geschlossen und ich laufe vorbei. Wenige Meter später schießt mir ein, dass in der Laufinformation stand, dass Durchgangstüren zu sein können und ich drehe sofort um. Doppeltes Pech: am anderen Ende des Durchgangs ist noch eine Tür, und abstoppen und Tür öffnen kosten immer Zeit und Kraft. Zeitverlust bei Posten fünf insgesamt 15 Sekunden. Gesamt +19 auf Pierre, -2 auf Stephan.

Die Posten sechs bis zehn erfordern höchste Konzentration. Zuerst genaues Mitlesen zu Posten sechs, dann drei kurze Posten und schließlich eine interessante Routenwahl. Am Ende dieses Teils liege ich 21 Sekunden hinter Pierre (also nur zwei Sekunden verloren) und 19 Sekunden vor Stephan noch immer an zweiter Stelle. Zu den Posten sieben und zehn konnte ich sogar zwei weitere Bestzeiten für mich verbuchen.

Die nächsten drei Posten machen keine Probleme, zu Posten 11 wähle ich die rechte Route, Posten 12 ist klar, da die Hecke eine andere Route verhindert und zu Posten 13 bietet sich eigentlich auch nur eine Route an. Der Rückstand? Mittlerweile 26 Sekunden auf Pierre, schön langsam werden die Beine schwer, aber immerhin 28 Sekunden vor Stephan. Sieht in diesem Moment nach einen sicheren zweiten Platz aus.

Doch dann kommt schon der nächste Schreck: bei der Straßenkreuzung kurz nach Posten 13 bin ich kurz verwirrt. Ich denke, der kleine Weg muss direkt von der Kreuzung abzweigen und bleibe stehen. Karte mit Kompass genau einnorden, ein paar Schritte zurück und dann sehe ich erst, dass ich noch ein paar Meter weiter muss. Zwar ärgerlich, aber zumindest passierte mir hier kein gröberer Fehler wie vielen anderen. Die liefen nämlich die falsche Straße und bogen in die Sackgasse (südlich der Zahl von Posten 12) ein, was natürlich viel wertvolle Zeit kostete. Trotzdem verliere ich durch diese Unsicherheit 12 Sekunden und liege somit 38 Sekunden hinter Pierre. Stephan erwischte den Posten aber anscheinend auch nicht optimal und konnte nur vier Sekunden aufholen.

Bei den nächsten beiden Posten (15 und 16) verliere ich nur eine bzw. zwei Sekunden, doch dann kommt der selbst verschuldete Todesstoß: Posten 17. Für mich ist klar, dass der Posten im östlichen Hauseinsprung sitzt, der Blick auf die Postenbeschreibung bestätigt meine Annahme. Und so laufe ich links um das Haus, biege um die Ecke und: kein Posten. Vielleicht noch nicht weit genug? Also weiter vor, das Haus ist aus, kein Posten! Falsches Haus? Ich laufe nordöstlich zum anderen Haus – „Nein, das ist das kleine Haus, ich war schon richtig.“ – wieder zurück, der Posten ist nicht da. Ich bin mir absolut sicher und laufe ohne einen Posten zu stempeln weiter.

Was mir nicht auffällt: der westliche Hauseinsprung ist gemeint, das Postenringerl ist richtig positioniert und auch die Postenbeschreibung stimmt. Jedoch bin ich anscheinend fetzenblau und missachte beides. Durch dieses Missgeschick und die kleine Extraschleife verliere ich bis Posten 10 ganze 45 Sekunden. Egal, denn ich bin sowieso disqualifiziert. Während dem Lauf ist mir dies noch nicht bewusst, denke ich doch, dass der Posten fehlt, also kämpfe ich weiter.

Und wie: ab Posten 19 hole ich nur noch Bestzeiten, sogar im Zieleinlauf. Im Ziel erwartet mich bereits Stephan und fragt mich nach meiner Zeit. Ich antworte „Um die 15:50, owa a Postn hot gföht.“ Was? Welcher? Wir sehen uns die Karte an. Stephan fragt, ob ich auf der richtigen Hausseite war, und da geht mir ein Licht auf. Mir geht sowas von ein Licht auf, dass es sogar in Australien um Mitternacht kurz hell ist.

Das bedeutet natürlich Disqualifikation und kein zweiter Platz. Da ich aber einen wirklich guten Lauf hatte, bin ich dennoch zufrieden. Das Lauftempo hat absolut gepasst (läuferisch nur um die 30 Sekunden auf Pierre verloren) und technisch auch in Ordnung. Und durch die Disqualifkation muss ich mich auch nicht über die zwei Fehler zu den Posten 5 und 14 ärgern.

Resümee: ein wirklich schöner Lauf auf einer sehr interessanten Bahn (danke an den Bahnleger Thomas Ballik) mit vielen Routenwahlen und gefinkelten Posten. So soll ein Sprint sein!

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