Markus Plohn

Sprint-OL: wie geht das?

Im Hinblick auf die kommende Staatsmeisterschaft sollte man sich gerade jetzt wieder die Charakteristiken von Sprint-OL’s und die Besonderheiten von Sprint-OL Karten zugute führen.

Der Sprint-OL

Der Sprint-OL ist eine sehr kurze und schnelle Disziplin, bei der vor allem durchgehende Konzentration auf höchstem Tempo gefordert ist. In der Wettlaufordnung für Orientierungslauf der International Orienteering Federation (IOF) ist der Sprint-OL wie folgt definiert:

  • Die Postenstandorte sind technisch einfach zu wählen um den Glücksfaktor im Postenraum so niedrig wie möglich zu halten.
  • Schwierige Routenwahlen sollen vom Wettkämpfer ständig höchste Konzentration abverlangen.
  • Das Wettkampftempo soll sehr hoch sein.
  • Als Wettkampfgelände eignen sich sehr gut belaufbare Parks und städtisches (Straßen/Gebäude) Gebiet. Schnell belaufbare Waldstücke können einbezogen werden. Zuschauer entlang der Strecke sind erlaubt.
  • Der Kartenmaßstab beträgt 1:4.000 (1cm = 40m) oder 1:5.000 (1cm = 50m).
  • Das Startintervall beträgt eine Minute.
  • Die Zeitnehmung wird auf eine Sekunde genau berechnet (nur beim WM-Finale werden 0,1 Sekunden verwendet).
  • Die Siegerzeit soll zwischen 12 und 15 Minuten liegen.

Weiters sollten sehr steile Passagen, die den Wettkämpfer zum Gehen zwingen, bei der Bahnlegung vermieden werden und das Finden der Posten einfach sein. Die Routenwahlen hingegen sind schwierig (die offensichtlichste Route weg vom Posten sollte nicht unbedingt die schnellste sein).

Zählt man das alles zusammen, erhält man einen flotten Wettkampf, bei dem durchgehend höchste Konzentration erforderlich ist und jeder kleine Fehler enorme Rückstände mit sich bringt. Das alles unter ständiger Beobachtung von Zuschauern, die einen zwar durchwegs anspornen, aber auch mal in die Irre führen können.

Für den Sprint-OL in Österreich gilt natürlich die Wettlaufordnung des Österreichischen Fachverbands für Orientierungslauf (ÖFOL), diese ähnelt jedoch sehr der Wettlaufordnung der IOF. Einen bemerkbaren Unterschied gibt es jedoch:

  • Das Startintervall soll 1 – 2 Minuten betragen.

Alle anderen Punkte (einfache Postenstandorte, schwierige Routenwahlen, hohes Wettkampftempo, etc.) gelten wie oben beschrieben, auch wenn sie teilweise nicht immer eingehalten werden. Wie zum Beispiel die Siegerzeit von 12 bis 15 Minuten (laut IOF-Regelung sollte sie sogar eher bei den 12 Minuten liegen), wie man an den Ergebnissen der Herren Elite der letzten Jahre sieht:

  • 2009 (Feldkirch): 1. Kerschbaumer Gernot, 15:26
  • 2008 (Wien): 1. Müller Matthias, 12:15
  • 2007 (Hallein): 1. Müller Matthias, 17:22
  • 2006 (Tulln): 1. Müller Matthias, 15:12
  • 2005 (Wien): 1. Breitschädel Felix, 12:08
  • 2004 (Blumau): 1. Schgaguler Klaus, 17:50

Weiter als 2004 reichen die Ergebnisse auf der Homepage des ÖFOL leider nicht zurück. Wenn jemand ältere Ergebnisse hat, bitte posten. Zumindest erwartet uns höchstwahrscheinlich ein schneller kurzer Wettkampf bei der kommenden Staatsmeisterschaft in Wien, denn wie es aussieht, schaffen es nur die Wiener die vorgegebene Siegerzeit einzuhalten. Ein Hoch auf die Bahnleger!

Die Sprint-OL Karte

Eine eigene Karte speziell für den Sprint-OL? Muss ich alles von vorne lernen? Nein!

Es gibt zwar für die Erstellung von Sprint-OL Karten eine eigene Richtlinie der IOF, die „International Specification for Sprint Orienteering Maps“ (kurz ISSOM), die Karten unterscheiden sich aber auf den ersten Blick nicht von einer anderen Orientierungslaufkarte. Die Unterschiede liegen eher in den Feinheiten und was der Wettkämpfer darf und was nicht.

Die ISSOM wurde 2001 (in diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal die Sprintdisziplin bei einer WM, nämlich in Finnland, durchgeführt) von der Kartenkommission der IOF erstellt und seitdem des öfteren überarbeitet. Die aktuelle Version stammt aus dem Jahr 2007 (auch ISSOM2007 genannt).

Warum eine eigene Spezifikation für Sprint-OL Karten? Die Antwort ist einfach: Orientierungslauf findet für gewöhnlich im Wald statt, dafür ist die ISOM2000 (Spezifikation für Orientierungslaufkarten) ausreichend. Da der Sprint-OL aber hauptsächlich in Parks und im Stadtgebiet stattfindet um die Veranstaltung näher an das Publikum und die Medien zu bringen, werden neue Symbole und Erweiterungen benötigt um den Teilnehmern einen fairen Wettkampf zu ermöglichen.

Hier ein paar Beispiele, warum Sprint-OL Karten „anders“ sind:

  • Im städtischen Gebiet, vor allem in einer Altstadt, gibt es oftmals weit mehr Details als im Wald.
  • Die Kennzeichnung von Gebieten mit reduzierter Laufgeschwindigkeit ist viel wichtiger, da die Siegerzeiten extrem kurz sind.
  • Im städtischen Gebiet kann es durchaus vorkommen, dass es Bereiche mit mehreren Etagen gibt, wie zum Beispiel Unterführungen oder Überdachungen.

Bei Sprint-OL Karten sind vor allem die schwarzen Linien entscheidend:

  • Hohe Mauern, Zäune und Felsen, die nicht überquert werden können und dürfen, werden mit einer dicken schwarzen Linie gekennzeichnet.
  • Hindernisse, die gequert werden können und dürfen, werden mit einer deutlich dünneren schwarzen Linie gekennzeichnet.
  • Sehr einfach zu querende Objekte/Merkmale wie zum Beispiel Stufen oder Gehsteigkanten werden mit einer sehr dünnen schwarzen Linie gekennzeichnet.

Jetzt dürfte klar sein, warum eine eigene Spezifikation erforderlich ist. Das Forststraßensymbol (dicke schwarze Linie) aus der ISOM2000 könnte beim Sprint-OL nicht mehr verwendet werden. Durch den großen Maßstab (1:4.000 oder 1:5.000) bei Sprint-OL Karten können Straßen und Wege jedoch viel genauer und in ihrer wirklichen Form gezeichnet werden.

Den Unterschied zwischen einer normalen und einer nach ISSOM gezeichneten Karte sieht man anhand des folgenden Beispiels der Karte „Oberlaa – Kurpark“, die bei der kommenden Staatsmeisterschaft verwendet wird (Stand der alten Karte: 1997).

Oberlaa - Kurpark (1997)

Oberlaa – Kurpark (1997)

Oberlaa - Kurpark (2010)

Oberlaa – Kurpark (2010)

Nun aber zu den genauen Spezifikationen. Um eine Disqualifikation zu vermeiden, sollte man vor allem wissen, was man auf keinen Fall queren darf (auch wenn man es könnte):

Unpassierbarer Felsen
Unpassierbares Gewässer
Unpassierbarer Sumpf
Unpassierbare Vegetation
Unpassierbare Mauer
Unpassierbarer Zaun
Gebäude
Privatgrund
Unpassierbare Pipeline
Unpassierbare Begrenzung
Sperrgebiet
Baustelle

Die weiteren speziellen Charakteristiken werden sehr gut von Kell Sønnichsen auf seiner Website http://www.soenniksen.dk/sprintkort/gb.htm erklärt. Ich möchte seine ausführlichen Erklärungen hier übersetzt in einer Tabelle zusammenfassen:

Einzelbäume
Einzelbäume mit einem Stammdurchmesser von weniger als 0,5 Meter werden mit einem grünen Punkt eingezeichnet. Die Höhe des Baums spielt dabei keine Rolle, wichtig ist, dass der Baum markant ist.
Einzelbäume
Manche Bäume haben so riesige Kronen, die bis zum Boden reichen, dass sie im Gelände viel größer wirken als dies auf der Karte der grüne Kreis darstellt. In diesem Fall wird ein weißer Kreis verwendet um den Baum auch auf der Karte größer darzustellen.
Büsche
Wie auch bei den Einzelbäumen gibt es bei Büschen keine Mindesthöhe um sie als Einzelobjekte einzuzeichnen. Der Busch hat das selbe Symbol wie der dünne Einzelbaum, größere Büsche werden formgenau gezeichnet. Allerdings sollen auch Büsche markant sein um sie einzeln einzuzeichnen. Da die vielen Büsche im Beispiel links nicht mehr einfach im Gelände zuzuordnen sind und den Läufer eher verwirren, sollte dieser Bereich mit dem Parksymbol gezeichnet werden.
Park und Wald
Oft ist es schwierig zwischen Park (gelbe Punkte auf weißem Hintergrund) und Wald (weiß) im Gelände zu unterscheiden. Wann wird was verwendet? Das hängt natürlich auch vom Kartenzeichner und dessen Interpretation ab. Eine Rolle spielt dabei der Untergrund. Handelt es sich um eine schöne grüne Wiese, wird wohl eher das Parksymbol verwendet. Liegen viele Blätter und Zweige, wird man Wald einzeichnen.
Park und Wald
Ob jeder Busch einzeln eingezeichnet oder doch generell das Parksymbol verwendet wird, hängt auch von der Lesbarkeit ab. Wenn die Karte durch zu viele grüne Punkte überfüllt ist, kann der Läufer diese sowieso nicht mehr interpretieren. Dann greift man wohl eher zum Parksymbol.
Wege
Alle befestigten Wege, egal ob es sich dabei um Asphalt, Kies, Fliesen, Platten oder Beton handelt, werden mit dem Symbol 529 (grau mit durchgehendem schwarzen Rand) gezeichnet, auch wenn der Weg noch so schmal ist. Für unbefestigte Wege (Wald- und Wiesenwege) wird das Symbol 506.1 (grau mit strichliertem schwarzen Rand) verwendet, für sehr schmale unbefestigte Wege das Pfadsymbol 507 (strichlierte schwarze Linie).
Straßenkanten
Kanten (z.B. Gehsteige) werden vor allem dann eingezeichnet, wenn genügend Platz ist und sie dem Wettkämpfer nützlich sind.
Mauern
Passierbare Mauern dürfen laut ISSOM bis zu zwei Meter hoch sein. Und hier heißt es Acht geben: denn eine Mauer kann auch dann als passierbar eingezeichnet werden, wenn sie nur von einer Richtung passierbar ist. Man kann hier also ganz schön in die Falle tappen, wenn man die falsche Route wählt. Dies sollten der Kartenzeichner und der Bahnleger natürlich verhindern. Als unpassierbar eingezeichnete Mauern dürfen auf keinen Fall überquert werden, auch wenn sie noch so niedrig sind. Dies führt zur Disqualifikation!

Damit sollte zumindest der theoretische Grundstein für einen erfolgreichen Sprint-OL gelegt sein. Das ist aber erst die halbe Miete, denn das alles im Hinterkopf zu behalten, während man anaerob durch den Park hirscht, ist gar nicht so einfach – und dabei soll das Tempo auch noch hoch gehalten werden. Es sind wie immer beim Orientierungslauf zwei Dinge gefragt: Köpfchen und schnelle Beine.

Die umfangreichen Spezifikationen gibt es zum Nachlesen auf der IOF Website:

IOF Foot Orienteering Competition Rules 2010
International Specification for Orienteering Maps 2000
International Specification for Sprint Orienteering Maps 2007

Der ÖFOL bietet ebenfalls verschiedene Dokumente als Download an:

Wettlaufordnung
Wettlaufordnung – leicht erklärt
ISSOM 2007 – kompakt

Und zur Vorbereitung auf die am 17. April 2010 stattfindende Staatsmeisterschaft im Sprint-Orientierungslauf hier noch ein paar nützliche Links:

Ausschreibung Österreichische Staatsmeisterschaft im Sprint-Orientierungslauf 2010
Kartenausschnitt ÖSTM Sprint 2010
Sperrgebiet ÖSTM Sprint 2010 (Wettkampfgelände Kurpark Oberlaa)

            

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  • Als Ergänzung zu den Hindernissen die erlaubt sind zu queren: passierbare Mauern werden nicht mit einem dünnen schwarzen Strich gekennzeichnet, sondern mit einem fast nicht lesbaren Hellgrau gedruckt. Somit rückt das (vernachlässigbare) Objekt auch in der Kartendarstellung in den Hintergrund.